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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 2

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
Antisemitismus und Medizin
Date
1899-01-01
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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2 Im deutschen Reich. Ziehungen zu einander bringt, wenn diese Verquickung nur Gelegenheit zu gehässigen konfessionellen Verunglimpfungen giebt. Handelt es sich um die Erreichung dieses unwürdigen Zweckes, so scheinen alle Mittel erlaubt zu sein und selbst vor dem reinen Tempel der hehren Wiffenschaft bebt der schmutzige Fuß der gewiffenlosen Hetzer nicht zurück. Wenn im Mittelalter das Volk, der Aufklärung und Bildung baar, das Auftreten von Epidemien darauf zurückführte, daß die Juden die Brunnen vergiftet hätten, so stand diesem Vorurtheil wenigstens der Mangel der wiffenschaftlichen Erkenntniß jener Zeiten entschuldigend zur Seite. Heute muß man den mehr oder weniger unschuldigen Irrwahn von der Brunnenvergistung durch schuldige bewußte Unwahrheiten ersetzen, um den Juden ihr Theil an der Entstehung von Epidemien in die Schuhe zu schieben. Die jüngsten, beklagenswerthen Fälle von Pesterkrankungen in der österreichischen Hauptstadt haben ein abscheuliches Kulturbild gezeitigt, an dem dcr Chronist nicht vorübergehen darf, ohne es in seiner ganzen Verworfenheit zu beleuchten. Der objektive Vorgang der Dinge ist noch in frischer Erinnerung. Im bakteriologischen Institut des Wiener allgemeinen Krankenhauses befaßten sich Aerzte in einem zu diesem Zwecke hergerichteten, isolierten Räume mit bakteriologischen Studien über das Wesen der indischen Pest, die an Ort und Stelle zu studieren ihnen eine Studienreise nach Bombay Gelegenheit gegeben hatte. Ein unglücklicher Zufall fügte es, daß der im „Pestzimmer" mit der Wartung der Versuchsthiere betraute Laboratoriumsdiener, den die Aerzte eindringlich genug vor der mit solchen Arbeiten verbundenen Gefahr gewarnt hatten, sich infizierte und der gefährlichen Krankheit erlag. In selbstlosester Pflichttreue hatte sich Dr. Müller, einer der Theilnehmer an jener Studienreise, des Kranken, der in die Klinik des Prof. Nothnagel überführt worden war, angenommen. Auch er fiel seiner Berufspflicht zum Opfer, ebenso wie eine der Wärterinnen, die sich hingebungsvoll der Pflege des Kranken gewidmet hatte, von der gefährlichen Krankheit hingerafft wurde. Wie nicht anders zu erwarten stand, war damit die „Epidemie", wie man jene vereinzelte Laboratoriumsinfektion nannte, erloschen. Entsprechend den hier geschilderten Thatsachen und im Hin-

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