Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 646 (sequence 12)
- Language
- German
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646 3m deutschen Reich. die judenfeindlichen Männer, welche die „Kreuz-Zeitung" als „die patriotischen Gegner der goldenen Internationale" in Schutz nimmt, Rochesort, Drumont, de Mun und Konsorten haben die „Streber des französischen Generalstabes" erst darauf gebracht, sich «in „jüdisches Opfer" auszusuchen; sie opfern jenen „Strebern" auch den Nichtjuden Picquart, andem die Generäle ihren Groll auszulassen versuchen. In Algerien haben bereits die „patriotischen Gegner der goldenen Internationale", ungehindert durch die Regierunzsorgane, direkt die Oberhand gewonnen, sodaßderGeneralgouverneurLeserrisresich sogardem antisemitischen Bürgermeister Max Negis gegenüber geneigt zeigte, die bestraften Plünderer der Juden zu amnestieren, sobald nur keine neuen Unruhen mehr zu befürchten seien. Dieses mattherzige Entgegenkommen ermuthigte den Freund Drumont's zu der weiteren Erklärung, seine Wähler hätten ihn beauftragt, die Juden zur Auswanderung zu zwingen, was er aber auf ganz gesetzlichem Wege bewirken werde. So traurig alle diese Verhältnisse sind, werden sie doch in ihrer weiteren Entwickelung dazu dienen, andere Staatcnlenker zu belehren, wohin es führt, wenn sie den antisemitischen, verkappten Anarchisten den kleinen Finger reichen, oder wenn sie eine Politik treiben, die auf dem mißverstandenen napoleonischen „Nationalitätsprinzip" fußt. Was die Antisemiten unter diesem Prinzip verstehen, ist völlig unvereinbar mit den Grundsätzen der Humanität; um so bedeutsamer ist es, daß dieses Prinzip neuerdings auch von dem P. Pachtler in einem Artikel der „Stimmen aus Maria-Laach" als antikatholisch, antichristlich und heidnisch bezeichnet worden ist. Das Christenthum — so führte P. Pachtler aus — ist auf Vermengung der Rassen gegründet, es beförderte den Verkehr in geistigen und zeitlichen Gütern, ja selbst die physische Mischung der Stämme. — Wohin Chauvinismus und Intoleranz die Masten leiten, ist unberechenbar; der Staat hat das größte Interesse daran, daß an die schlimmsten Instinkte derselben, Neid, Haß und Argwohn, nicht ungestraft beständig appelliert, daß die wehrlose Minderheit nicht mißhandelt wird. „Der Staat muß untergehen, spät oder früh, wo Mehrheit siegt und Unvernunft entscheidet." A. L.