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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 635

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-12-01
Page
635 (sequence 1)
Language
German
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635 Umschau. Siner der edelsten Deutschen jüdischen Bekenntnisses, Gabriel Rieffer, schrieb vor einem halben Jahrhundert: „Bietet mir mit der einen Hand die EmanzipaLion, mit der anderen die Verwirklichung des schönen Traums von der politischen Einheit Deutschlands, mit seiner politischen Freiheit verknüpf 1, ich würde ohne Bedenken die letztere wählen, denn ich habe die feste Ueberzeugung, daß in ihr auch jene enthalten ist." Inzwischen hat sich der schöne Traum jenes begeisterten Vaterlandsfreundes verwirklicht, aber die erwähnten Worte Riesser's haben darin das Richtige getroffen, daß sich wieder und wieder bei denen, welche der politischen Freiheit abhold sind, auch das Bestreben zeigt, die Gleichberechtigung aller Religionsbekenntnisse in Frage zu stellen. Diejenigen, welche dieses Bestreben gedankenlos unterstützen, verkennen offenbar vollständig, daß eine Freiheit uns Alle frei macht, daß die Entrechtung eines Bruchtheils des deutschen Volkes auch die Mehrheit der Nation nicht ungeschädigt laffen, sondern vielmehr weittragende Pläne reifen lassen würde, die darauf hinauslaufen, nicht nur in religiöser, sondern auch in politischer Beziehung die Rückkehr zu mittelalterlichen Zuständen herbeizuführen. Von der politischen Freiheit Deutschlands ist Lhatsächlich die Emanzipation unzertrennlich; die erstere kann und wird überhaupt erst vollständig sein, wenn nach dem Wegfall jeden Gewissenszwanges alle geistigen Kräfte des deutschen Volkes für den Staat nutzbar gemacht werden. Der letzte Rest der politischen Freiheit geht dagegen voraussichtlich in demselben Augenblick verloren, in welchem die staatsbürgerlichen Rechte wieder von dem religiösen Bekenntniß abhängig gemacht werden. Die Verfassung ist zugleich das Bollwerk der bürgerlichen Freiheit und die Bürgschaft der konfessionellen Gleichberechtigung. Daß dieses feste Gefüge nicht gelockert werde, daß jeder Abbröckelungsversuch verhindert werde, liegt deshalb nicht nur im Interesse der deutschen Juden, sondern aller deutschen Bürger, welche die mit der politischen Freiheit verknüpfte Einheit Deutschlands als ein Palladium betrachten. Wer so gesinnt ist, dem kann es nicht gleichgültig sein, wenn die unter dem Ministerium Falk in Preußen getroffenen Schuleinrichtungen neuerdings von Aenderungen betroffen werden, die in sv

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