Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Berlin
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 588 (sequence 6)
- Language
- German
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688 Zm deutschen Reich. gesagt: „Jude ist er nicht, denn er schämt sich deS Glaubens seiner Väter. Christ ist er aber auch nicht, denn er ist nicht übergetreten. Was ist er denn? Und der soll der Vertreter der heiligsten Güter unseres Volkes sein?" Es wurde dann dem Dr. Mugdan vorgeworfen, daß er von den Sozialdemokraten gewählt zu werden hoffe. Schlimm genug, sei es, daß sich in der Kaiserstadt Potsdam Männer fänden, die es wagten, diesen Mann als Vertreter im Landtage anzubieten. Sowohl Dr. Mugdan wie eine Anzahl der Herren, die an seiner Aufstellung mitwirkten, haben gegen den Vorstand des Neuen Wahlvereins Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Q] Eberswalde, 5. November. Der von Ahlwardt hier am 24. v. Mts. im Nhode'schen Saale abgehaltene Vortrag dürfte kaum dazu beigetragen haben, den verblaßten Nimbus dieses Agitators wieder aufzufrischen. Weit tiefer und nachhaltiger dürfte sich der Eindruck eines Vortrages erweisen, welchen Herr Oberprediger Jonas in dem „Verein für Verbreitung von Volksbildung" über den „Prozeß JeanCallas mit einigen Streiflichtern auf den Prozeß Dreyfus" hier am 1.d.Mts. gehalten hat. Der Redner sagte im Verlaufe seiner interessanten Ausführungen: „Vielen mögen die Juden nicht sympathisch sein; das ist eben Ansichtssache und mag das Jeder mit sich ausmachen. Ganz falsch und verwerflich ist aber die rücksichtslose Judenhetze, der Antisemitismus, der den Juden deshalb verfolgt, weil er eben Jude ist. Wie laßt sich denn diese Intoleranz mit dem ersten Grundgedanken der christlichen Lehre, die die Liebe als Höchstes aufstellt, vereinen? Der Antisemitismus ist ja weit schlimmer als das jüdische „Auge um Auge, Zahn um Zahn". Leider haben sich auch in unsererStadt in letzter Zeit antisemitische Regungen breit gemacht;- zu hoffen ist, daß nur wenige hier dieser Verblendung anheimfallen!" R. Breslau, 1. November. Vor einigen Tagen feierte in. Ziegenhals der Stadtältefte und Nathsherr, Kaufmann Joseph Frankel, sein 50 jähriges Bürgerjubiläum. Im geschmückten Rathhaussaale fand aus diesem Anlaß in den Vormittagsstunden ein Festakt statt, bei dem Bürgermeister Kern dem Jubilar für seine verdienstliche 42 jährige Thätigkeit in der Stadtverordnetenschaft und im Magistrat dankte und der Stadtverordnetenvorsteher Kober Fränkel's Bürgertugenden pries. Abends veranstalteten Feuerwehr und Turnverein zu Ehren des Jubilars einen Fackelzug mit Fackelreigen und