Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Berlin
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 583 (sequence 1)
- Language
- German
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683 Korrespondenzen. H Berlin, 14. November. Die Stadtverordneten Dr. Preuß, Kreitling, Dinse,. Drenske, Deter, Karl Goldschmidt I, Riemer, Weiß, Kalisch, Witkowski, Dr. Paul, Rosenow, Frick und Jacquet brachten in der Berliner Stadtverordneten - Versammlung den Antrag ein, an den Magistrat folgende Anfrage zu richten: Seit dem 24. Oktober sind die Rektoren mehrerer hiesigen Gemeindeschulen von den Schulinspektoren angewiesen worden, einigen Lehrerinnen das Ordinariat, das sie seit 22, 19 und 16 Jahren vorwurfsfrei führen, a b z u - nehmen und sie nicht mehr als Klassenlehrerinnen zu beschäftigen, weil diese Lehrerinnen jüdischen Glaubens sind und sich in ihren Klassen keine genügende Zahl von Kindern desselben Bekenntnisses befindet: 1. Ist dem Magistrat bekannt, auf wessen Anordnung die Schulinspektoren gehandelt haben? 2. Stehen weitere" ähnliche Maßregeln in Aussicht? 3. Billigt der Magistrat dieses Vorgehen? oder: 4. Was will der Magistrat thun, um jene Maßregeln rückgängig zu machen, oder, falls er dazu nicht die Macht hat, wie will er diesen Lehrerinnen eine weitere ersprießliche Wirksamkeit und ein mit ihrer persönlichen Würde vereinbares Ausharren im städtischen Schuldienste ermöglichen?" Darauf hat die städtische Schuldeputation unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner beschlossen, gegen die Verfügung des Provinzial - Schulkollegiums, wonach den jüdischen Lehrerinnen das Klassenordinariat in dem Falle abzunehmen ist, daß sich unter der Zahl der Schülerinnen nicht wenigstens 10 Kinder jüdischen Glaubens befinden, vorstellig zu werden. Inzwischen ist in der Stadtverordneten- Versammlung der Antrag eingebracht worden, den Magistrat zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß den ohne ihr Verschulden ge maßregelten jüdischen Lehrerinnen eine ersprießliche Wirksamkeit und ein mit ihrer persönlichen Würde vereinbarliches Ausharren im städtischen Schuldienst ermöglicht werde, eventuell durch Versetzung an die höheren Mädchenschulen, und, wenn nöthig, durch Beurlaubung bis zum Eintritt entsprechender Vakanzen. Der 8. Gemeindetag vcs Deutsch-Israelitischen G emeindebun des wurde im Vereinshause, Berlin 81V., Wilhelmstraße 118, am 10. Oktober d. I. von Herrn Prof. Dr. P h i l i p p - son in Anwesenheit von etwa 70 Delegierten eröffnet. Sodann