Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 581 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 581 jüdischen GeneralstabS-Offizier anerkannt hat, ist ein vernichtender Schlag für das Prätorianerthum, welches bis dahin die Civilgeivalten in unbeschreiblicher Weise eingeschüchtert hatte. Auch das darauf von den antisemitischen Deputierten veröffentlichte Manifest, welches die Bevölkerung aufforderte, die republikanische Negierung von dem ruinierenden Einfluß der Juden zu befreien, kam zu spät. Das französische Bürgerthum athmete auf, als sich sogar das neue Ministerium Dupuy zu der Erklärung veranlaßt fühlte, daß es dem Ausspruch des höchsten Gerichtshofes Respekt verschaffen werde und weil es in der Person des bürgerlichen Kriegsministers Freycinet eine Bürgschaft gegen militärische PronunciamentoS erkannte. Es ist nun auch nicht mehr anzunehmen, daß die französische Negierung der von dem algerischen Generalrath an sie gerichteten Aufforderung Folge leisten werde, durch Aufhebung der Cremieux'schen Verordnungen den algerischen Juden alle politischen Rechte zu nehmen und die Juden aus allen öffentlichen Aemtern zu entfernen. Die französische Regierung wird aber wohl noch eine Weile lavieren und sich dann von der in der Bevölkerung herrschenden Strömung weiter treiben laffen. Im Hinblick auf die bevorstehende Vernehmung der verflossenen Kriegsminister durch den Kassationshof wurden die Privatäußerungen des Herrn über den Fall Treyfus veröffentlicht und man machte in Paris die seltsamsten Glossen über das Wort Chanoine's: „Das Aktenmaterial reicht aus, um Dreyfus zehn Mal erschießen zu laffen." Anscheinend vollzieht sich bereits in Frankreich der Stimmungswechsel, der allerdings nicht nur für die für „zehnmaliges Erschießen" begeisterten, Dreyfus-feindlichen Generale, sondern auch für den unter ihrem Banne stehenden Präsidenten der französischen Republik wenig günstig erscheint. In den besten Pariser Kreisen zollte man dem „Siöcle" Beifall, der eS für einen „Skandal" erklärte, daß die Gräfin du Märtel, die unter dem Namen „ G y p" den Antisemiten Drumont in der Redaktion der „Libre parole" durch ihre galligen Sarkasmen eifrigst unterstützte, bei einem von Faure in Rambouillet dem russischen Kriegsminister gegebenen Diner einen Ehrenplatz einnahm. Der „Siöcle" erinnerte daran, daß diese Dame, deren Artikel von den gröbsten Beleidigungen der Juden strotzen, schon im Boulangismus eine sehr gehässige Rolle gespielt und Herrn Faure selbst früher vorgeworfen habe, die Tochter eines Sträflings geheirathet zu haben. Wenn Ives Guyot ferner im „Siecke" andeutete, daß Faure die scharfe Feder der kleinen Gräfin fürchte und sich gezwungen dem Einfluß der schlimmsten Feinde der französischen Republik füge, trägt dies sicher nicht dazu bei, die Dreyfus-Gegner