Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 577 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 577 zeitig ^zurückgezogen und gar nicht bezahlt worden sind; nicht minder bemerkenswerth ist aber auch die anerkennungswerthe Offenheit, mit welcher er den „geschäftlichen Hauptzweck" seiner AgitationSreise zugestand. Derartiger „Geschäftssinn" scheint übrigens eine antisemitische Eigenthümlichkeit zu sein, da AHIwardt's Gesinnungsgenoffe Karl Sedlatzek denselben kürzlich ebenfalls in drastischer Weise bekundete. Als in Folge seiner Beleidigungsklage gegen den Redakteur August Jacobey, der einen seiner Ritualmordmärchen - Artikel als „blödsinnig" bezeichnet hatte, die übliche Publikations-Befugniß ausgesprochen wurde, rechnete er nicht etwa die gewöhnliche Anzeigengebühr von 30 Pf. pro Zeile an, sondern verlangte für 35 Zeilen 35 Mk., da er sich berechtigt glaubte, den Urtheilstenor als eine Reklame für den „Vorwärts" zu dem Preise von 1 Mk. pro Zeile in Rechnung zu bringen. Er hatte bei dieser Spekulation aber nicht so viel Glück wie Ahlwardt, da die betreffende Redaktion, als grundsätzliche Gegnerin antisemitischer Reklame, die Zahlung verweigerte. Eine der vielen von Sedlatzek angestrengten Beleidigungsklagen beschäftigte dieser Tage das Münchener Landgericht I. Der Redakteur der „Münchener Neuesten Nachrichten", Mordtmann, hatte seiner Zeit den Artikel des „Generalanzeigers" „Die Judengeldsammlungen für Berliner Kirchenbauten" einer scharfen Kritik unterzogen und war in Folge der Privatklage Sedlatzek's vom Schöffengerichte zu 200 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden. Die Berufungsinstanz fand aber nur in dem Ausdruck „antisemitische Skandalmacher", sowie in der persönlichen Richtung der Kritik, die jeder Objektivität entbehre, eine Beleidigung und setzte die Strafe auf 100 Mk. herab. Von tüchtigem antisemitischen Geschäftssinn zeugte auch u. A. das Auftreten des Redakteurs der „Staatsbürger-Ztg." Johannes Wilberg, in der am 25. Oktober im Berliner Germania-Saale abgehaltenen Versammlung der Ortsgruppe Berlin des „Deutsch-nationalen Handlungsgehülfen-Verbandes". Er erklärte, die „Staatsbürger-Ztg." habe stets ein warmes Herz für die Bestrebungen des Verbandes gehabt und er selbst habe dessen Interessen in seinen politischen Vorträgen stets wahrgenommen. Wer die Abwehr des Verbandes gegen das Eindringen des Judenthums eine religiöse Hetze nenne, verstehe nichts von den politischen Verhältnissen; jedes Dienstmädchen wisse heute bereits, daß es keine jüdische Religion, sondern nur eine jüdische Raffe und eine mosaische Religion gebe. Mit letzterer hätten die Antisemiten nicht das geringste zu thun. Redner empfahl dann den Anwesenden im eigen st e n Interesse das Lesen der 45*