Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 11 (November 1898)
- Article
- Am Ende des Jahrhunderts
- Date
- 1898-11-01
- Page
- 545 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Ende des Jahrhunderts. 545 es der vormals deutsche Elsaß — gewarnt und protestiert wird, daß man nicht etwa dm Juden die vollm Bürgerrechte geben sollte, ihnen, die — wie es in einem Cahier heißt — „viel zu glückliche Spekulantm sind, als daß sie geduldet werdm könnten". Der Abgeordnete Saint-Etienne versuchte vergeblich, in der Nationalversammlung von 1789 die Gleichberechtigung der Juden durchzusetzen, und selbst im Jahre 1790 wurde nur einem Theil der Juden, und zwar nur den spanisch-portugiesischen und den Juden von Avignon, das Bürgerrecht ertheilt. Dabei ist es interessant, daß in der Nationalversammlung ein Mann für die Emanzipation der Juden auftrat, der später eine traurige Rolle in der französischen Revolution gespielt hat: Robespierre war es, der die erste große Rede für die Emanzipation der Juden gehalten hat. Als man dann in Frankreich die Gleichberechtigung durchgesetzt hatte, war es den französischen Waffen beschieden, sie auch nach Deutschland zu tragen. Von dem kläglichen Zustand, in dem die Juden sich dymals in Deutschland befanden, geben uns ganz besonders die Schilderungen Rechenschaft, die uns über die Frankfurter Juden noch aufbehalten sind, — die Schilderungen, die aus dem tief erbitterten Gefühle eines Ludwig Börne hervorgegangen sind, der selbst diese Erniedrigungen noch erduldm mußte; er mit seinem starken, großen Freiheitsgefühl, mit der Sehnsucht, herauszutreten aus dem engen -Ghetto und sich zu betheiligen an dem großen Getriebe und an den Thaten der Welt. Die Juden Frankfurts und der meisten deutschen Städte waren damals noch in das Ghetto eingeschloffen. Der Satz: „wo ein grüner Baum, da kein Jude!" galt im Frankfurter Stadtrecht. Die blühende Natur, die jedem Menschen das Leben verschönt, sie war den Juden verschloffen. Eingepfercht in ihre enge Mauern, mußten sie zusammenwohnen; am Sonntag Nachmittag wurde das Ghetto geschlossen, kein Jude durfte dann in die Stadt. Wenn ein solcher aber die Straßen Frankfurts betrat, so durfte er nicht auf dem Bürgersteig gehen, sondern mußte den Damm benutzen, und vor jedem Christen mußte er die Reverenz machen, wenn derselbe ihm zurief: „Mach' rnores, Jude!" Das war der Zustand, in dem die Frankfurter Juden und die meisten Juden Deutschlands sich damals befanden, und es ist 43'