Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1898)
- Article
- Die Verhandlungen des ersten vereinigten preußischen Landtages vom Jahre 1847 über den Entwurf einer Verordnung, die Verhältnisse der Juden betreffend
- Date
- 1898-10-01
- Page
- 491 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Verhandlungen des Ersten Vereinigten Preußischen Landtages. 4SI stelle. Man müsse ferner bedenken, daß, wenn man den Juden manche Fehler zum Vorwurf mache, diese Fehler weder mit der jüdischen Nationalität, noch mit dem jüdischen Glauben nothwendig verbunden, sondern das Resultat der unwürdigen Behandlung seien, unter der die Juden bisher gelitten, und die es ihnen unmöglich gemacht habe, sich edleren Beschäftigungen zuzuwenden. Die Fehler kämen also gerade von der Abschließung her, und diese Erkenntniß lege der Staatsbehörde die dringende Mahnung an's Herz, mit dem Prinzip der Abschließung zu brechen. Mit aller Entschiedenheit müsse man sich gegen die Meinung wenden, daß durch die Gleichberechtigung der Juden der christliche Charakter des Staates gefährdet werde. In dem Begriff des Staates sei i ll abstracto nur der Begriff des Rechts und der Ordnung, nicht der des Christenthums enthalten. Man solle nicht glauben, daß durch die Emanzipation die Juden in die Lage versetzt würden, bcn Christen eine schädliche Konkurrenz zu bereiten. Dazu sei einerseits ihre Zahl zu gering, andererseits liege in der Anerkennnng dieser für die Christen gefährlichen Konkurrenz ein Antrieb mehr für den Staat, die Juden zu emanzipieren, damit die hervorragende geistige Kapazität — denn nur durch eine solche könnten sie den Christen Konkurrenz machen — nicht ungenützt bleibe. Nur ein Motiv gebe es, den Juden die Gleichberechtigung zu versagen, das sei das Vorurtheil gegen die Juden, das den Christen von zarter Kindheit an eingeimpft werde. Aber gerade die Regierung müßte es sich angelegen sein lassen, aus ihrer besseren Einsicht heraus dieses Vorurtheil überwinden zu helfen. Ein anderer Redner fand, daß der Gesetzentwurf die Errungenschaften der Jahre 1808 und 1812 in Frage stelle und durch seine Maßnahmen dahin führe, die Bildung eines Staates im Staate zu begünstigen. Ueberhaupt gebe es nur zwei Möglichkeiten: entweder die Juden seien Feinde der Christen oder sie seien es nicht. Gegen Feinde gäbe es zwei Schutzmittel: man müsse sie vertilgen oder sich zu Freunden machen. Daß das erste Mittel versage, beweise die Geschichte des jüdischen Volkes seit TituS; daher müsse man das zweite Mittel versuchen. Dies könne aber nur zum Ziele führen, wenn man nicht halbe Maßregeln