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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 480

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
Friedrich der Zweite [Rezension]
Date
1898-09-01
Page
480 (sequence 3)
Language
German
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480 3m deutschen Reich. Aber 'nicht in offenem Kampfe will sich die Kirche mit dem Kaiser meffen. Der feige und verschlagene Erzbischof von Mainz wählt ein sichereres Mittel, den deutschen Kaiserthron von dem großen Ketzer zu befreien. Den glaubenseifrigen Peter von Vinea weiß er dem Kaiser abwendig zu machen, er weiß dem Mystiker es glaubhaft zu machen, daß Gott i h n dazu auserlesen, die Welt vor dem „Antichristen" zu schützen, im Dienste des Glaubens soll er den Kaiser durch Gift beseitigen. Einen Augenblick scheint Friedrichs Stern noch zu leuchten — zwar ist der Kaiser mit dem Bann belegt, aber der junge Selim, um die Ursache des Bannes aus dem Wege zu räumen, ihn vor den Folgen zu schützen, geht freiwillig in den Tod. Die staufentreuen Fürsten sammeln sich wieder um den Kaiser; die Heerführer Thaddäus und Mohamed bringen ihm die Nachricht von einem Siege über die Päpstlichen, jubelnd sieht Friedrich schon den Sturz Romas vor Augen. Da reicht Peter von Vinea ihm den Todesbecher. Von dem sterbenden Kaiser nehmen in einer ergreifenden Szene die Krieger Abschied, mit brechender Stimme ruft er der Christenheit zu: Laß wahrer Liebe heil'ge Flammen schlagen Mit reinigender Gluth zum Himmel an! Du deutsches Volk, erhebe dich zum Licht Und schüttle ab jahrhundertlangen Traum; .Die Duldung ist der Menschheit höchste Pflicht, Wirf ab den Haß und gieb der Liebe Raum. Das Drama athmet von Anfang bis zu Ende eine hohe Begeisterung, eine reine Gesinnung. Der Verfasser hat ein unleugbares dramatisches Talent. Daß er von dem wahren Verlauf der geschichtlichen Ereigniffe für seine besonderen poetischen Zwecke abgewichen, wird man ihm nicht zum Vorwurf machen, denn er hat es verstanden, die Handlung im Drama aus den Charakteren folgerichtig zu entwickeln. Einzelne Gestalten, wie der kernigtreue Thaddäus, der von Leid verfolgte Jude Abraham, der Mystiker Vinea sind scharf und lebenswahr gezeichnet, eigenartig und nicht immer glaubhaft ist nur die Figur des Jakob Pränest. In den Motiven lehnt sich der Dichter häufig an die klassischen Meister an — die Erinnerung an die Entführung von Shylocks Tochter, den Sternenglauben W.allensteins, der allmähliche Abfall der Heerführer von Wallenstein drängen sich dem Leser unwillkürlich auf, oft freilich sind diese Reminiseenzen durch die Aehnlichkeit der Situation bedingt. — Der Ausdruck ist lyrisch bis zum Uebermaß, für den dramatischen Dichter eine große Gefahr. Unsere Zeit ist der Lyrik an sich nicht sehr günstig, auf der Bühne

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