Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- Friedrich der Zweite [Rezension]
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 478 (sequence 1)
- Language
- German
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“378" Mchrrfcha«. Friedrich der Zweite. Trauerspiel in fünf Akten von Friedrich Calebow. Barmen. Verlag von D'. B. Wiemann. Von den Irrungen und Wirrungen der Gegenwart, da Fanatiker im Namen einer falsch verstandenen Religion' bei der Arbeit sind, Andersdenkende zu verfolgen, mit allen Mitteln der Verleumdung oder der brutalen Gewalt zu vernichten, wenden wir unsere Blicke gern in die Vergangenheit zurück und erheben unS an dem idealen Bilde jener Menschen, deren Religiosität sich nicht an engherzige Dogmen klammerte, sondern über sie hinausstrebend das alle Menschen umfassende Gottesreich zu verwirklichen suchte. Und inniger wird unsere Theilnahme, je mehr jene Helden in dem Kampfe mit den realen Verhältnissen für ihre Gottesidee gestritten und gelitten haben. Das Schicksal derer, die mit der herrschenden Kirche den Kampf furchtlos gekämpft und das Martyrium ihrer Ueberzeugung auf sich genommen, poetisch zu gestalten, den Konflikt dramatisch darzustellen, darin lag für die Dichter aller Zeiten und Völker ein besonderer Reiz. Von der Sophokleischen Antigone bis herab zu Gutzkow's Uriel Acosta greifen uns die Gestalten der religiösen Märtyrer besonders ans Herz und nähren glücklicherweise den Idealismus unserer Jugend auch heute noch. In die Reihe dieser Helden stellt Calebow seinen „Friedrich den Zweiten". Wunderbar, .daß der Hohenstaufenkaiser den klassischen Dichter noch nicht gefunden hat. Seine Gestalt umfließt ein eigenthümlicher Nimbus. Er war für seine Person ein über die Befangenheit und Beschränktheit seiner Zeit erhabener Mensch, für das Schöne im Leben und in der Kunst empfänglich, freieren Anschauungen nicht nur zugethan, sondern auch entschlossen, den Kamps mit der Kirche aufzunehmen. Mit diesen Eigenschaften steht er in dem vorliegenden Drama völlig im Mittelpunkte der Handlung. Duldsamkeit, Vorurtheilslosigkeit sind der Grundzug in seinem Charakter. In seinem Gefolge bewegen sich die Vertreter aller Religionen. Seine Heerführer sind Sarazenen, mit dem jüdischen Astrologen