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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 392

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-08-01
Page
392 (sequence 3)
Language
German
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392 3m deutschen Reich. ausgezeichnete slen Vertreter des nationalen Gedankens bezeichnete", haben kürzlich Wiener Blätter behauptet, -aß er zuerst das Mißtrauen des Kaisers gegen den Fürsten Bismarck erregt habe, indem er dem Monarchen die Ueberzeugung beibrachte, daß das gegen Geffken gerichtete Verfahren im Grunde genommen gegen den Kaiser Friedrich gerichtet gewesen sei. Ob diese Behauptung begründet ist, steht noch nicht fest; Thatsache ist dagegen, daß der Rücktritt des Reichskanzlers eine Folge jener Unterredung mit Windthorst war, welche auf Bismarck's eigenen Wunsch am 15. März 1890 angeblich durch Gerson v. Bleichröder ermöglicht wurde, der nicht nur die Geldgeschäfte des Fürsten besorgte, sondern auch in anderen Beziehungen sein Vertrauensmann war. Dieses persönliche Wohlwollen für einzelne Juden, zu denen auch die Gebrüder Friedländer in Berlin, Behrens in Köslin u. A. m. zählten, erregte stets das Mißfallen der Antisemiten, welches sich deshalb wiederholt in bitteren Schmähungen kundgab. In dem Nürnberger antisemitischen „Freien Beobachter" wurde er neuerdings beschuldigt, Menschenleben geopfert zu haben, um Dotationen zu erlangen. Lange vorher wurde in der „Antis. Korrespondenz" (No. 14, 1892) „auf das Unerquickliche seines Verkehrs mit Bleichröder und anderen Juden" hingewiesen. Dttomar Schuchardt zeterte über das „zum Sieg gelangte, mit Bleichröderthum verquickte Bismarckthum", derselbe Theodor Fritsch, welcher einst das erwähnte „Bismarck-Flugblatt"verfaßthatLe,widerden „den deutsch-sozialen Blättern fernliegenden übertriebenen Bismarck-Kultus", Ottomar Beta über „die unter Bismarck's Protege, Bleichröder, in Preußen eingerissene Judenwirthschaft", Adolf B r a n m a n n (in „Frei-Deutschland") über das verjudete Machwerk Bismarck's, Karl Sedlatzek (am 21. Jan. 1898) über eine „echt cohnservative" Aeußerung Bismarck's, „der noch nicht die nothdürstigste Anfangsperiode des Antisemitismus gelernt habe" u. s. w. u. s. w. So äußerten sich Autoritäten derjenigen Partei, die den Baumeister des deutschen Reiches wiederholt als ihren Gesinnungsgenossen hinzustellen wagte, und auch noch um seine irdischen Ueberreste einen Kampf wie um die Leiche des Patroklus anzetteln möchte. Die „Deutsche Zeitung" Friedrich Lange's sagt mit Recht, „daß über dieBeziehungen des Fürsten Bismarck zum Judenthum viel gelogen worden i st". Wir glauben deshalb auch nicht alles, was der aus dem Schweinfurter Gerstenlieferungsprozeß bekannte altbayerische Antisemit Anton M e m m i n g e r in der „Neuen Bayerischen Landeszeitung" in von Jrrthümern und Unwahrheiten strotzenden Artikeln veröffentlichte, als der

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