Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 390 (sequence 1)
- Language
- German
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390 Dlrnscha«. fpn der %xa\m, in welche das am 30. Juli d. I. erfolgte Hinscheiden des Fürsten Bismarck das deutsche Volk versetzte, haben die Deutschen jüdischen Glaubens Antheil genommen. Wenn Shakespeare sagt: „Was Menschen Uebles thun, das überlebt sie, das Gute wird mit ihnen oft begraben", so entspricht dies nicht unserem Empfinden an der Bahre des Titanen, welcher mit wunderbarer Geisteskraft das deutsche Volk auf die ihm gebührende Stelle emporhob und dem jüdischen Bruchtheil der Nation dabei gerecht wurde. Die Dankbarkeit ist zu allen Zeiten als ein Grundzug jüdischer Charaktere angesehen worden, deshalb verweilt unser Blick, wenn an der SchlummerstätLe des entschlafenen großen Staatsmannes ein halbes Jahrhundert wie ein langer Geisterzug vorübergleitet, nicht auf den trüben Folgen der durch Bismarck'S StaaLskunst hervorgerufenen Jntereffenkämpfe, nicht auf den aufgewühlten Wogen wilder Volksleidenschaften, die er durch sein Huos ego! hätte rechtzeitig eindämmen können. Vor unserem geistigen Blick steht vielmehr der eiserne Kanzler, aus deffen großartig veranlagter Natur das Genie faszinierend zum Throne und zum Volke hin ausstrahlte, abgewandt von jenem Sumpf, dessen vergiftende Miasmen ihn anwiderten und wiederholt zu entschiedenen Aeußerungen veranlaßten, durch welche die sich oft an ihn herandrängenden trüben Gestalten zum Rückzuge genöthigt wurden. Nichts kennzeichnet die Charakterlosigkeit der judenfeindlichen Politiker schärfer, als ihr Verhalten gegen den Staatsmann, welcher die Petition um Aufhebung unserer, staatsbürgerlichen Rechte unbeantwortet ließ und in den Papierkorb warf. Dieselben Männer, welche den großen Kanzler wegen seiner freundlichen Beziehungen zu einzelnen Juden schwer verleumdeten und durch bösartige Ränke in der Art des bekannten „Scheiterhaufenbriefes" zu schädigen suchten, streuten ihm gelegentlich wieder überschwänglich Weihrauch, wenn sie seine große Volksthümlichkeit für ihre Zwecke ausnützen, zum Deckmantel ihrer lichtscheuen Pläne verwenden zu können meinten. Wieder und wieder versuchten sie die öffentliche Meinung zu täuschen, indem sie den gefeierten Staatsmann fälschlich als ihren Gesinnungsgenossen darstellten, indem sie eine von ihm ganz im Anfang feiner parlamentarischen Laufbahn gegen die Juden-Emanzipation gehaltene Landtagsrede, die er selbst