Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Die Lage in Oesterreich
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 389 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Lage in Oesterreich. 389 einflußreicher geworden ist — die Stellung der Deutschen in Oesterreich hat sich in diesen Jahren weit mehr verschlechtert, als die der Juden. Unter diesen zeichnen sich die Reichen und Vornehmen auch weiter durch ihre Furchtsamkeit und Indifferenz aus. Das Höchste, wozu sich nach den Vorgängen in Galizien die dortigen jüdischen Volksvertreter und Würdenträger aufrafften, war eine bescheidene Vorstellung an das Ministerium und Veranstaltung von Sammlungen für die Ausgeraubten, obwohl eigentlich der Staat oder die betreffenden Gemeinden den Schaden zu ersetzen hätten. „Auch schuldlose Familien der irregeleiteten Excedenten sind der Roth vielfach preisgegeben", klagen die Herren in ihrem Aufrufe. Es scheint also, daß ein Theil der größtentheils von Juden einfließenden Gelder für die Familien der p. t. Herren Räuber verwendet werden soll. — Ob sie nicht diesen Paffus auf höhern Befehl ausgenommen haben? In aller Trübsal und Roth zeigt sich doch ein Lichtblick, mit dem ich schließen will. Wir haben jetzt hier eine sogenannte „Jubiläums-Ausstellung", eine Ausstellung alles dessen, was in den letzten fünfzig Jahren in Oesterreich (ohne Ungarn) und vorzüglich in Wien auf allen Gebieten des geistigen und materiellen Lebens geleistet, welche Fortschritte gemacht wurden. Da ist es nun erfreulich, zu sehen, wieviel die Juden sowohl als Industrielle überhaupt, wie im Arrangement der Ausstellung geleistet haben. Antisemitische Blätter schimpfen wohl, daß die Ausstellung „verjudet" ist. Aber auch die Advokatur, der Richterstand, die Medizin sind nach ihren Klagen verjudet und, wie die Christlichsozialen behaupten, auch die Deutschnationalen, die Schönerer und Genossen. — Uns Juden kann es recht sein, wenn nur daraus nicht die Folgerung gezogen wird, unsere Rechte noch mehr zu beschränken. Eulenspiegel pflegte, wenn es bergauf ging, sehr lustig zu sein, weil er sich auf das leichtere Abwärtsgehen freute. Bei uns Juden ist es umgekehrt. Da es mit uns seit mehreren Jahren abwärts geht, so können wir uns daraus freuen, daß es bald wieder aufwärts gehen wird. Es ist mir vor zwei Jahren mit dem Prophezeien ziemlich gelungen, hoffentlich kann ich nach weiteren zwei Jahren Erfreulicheres über die Lage in Oesterreich berichten. Wien, im August 1898. ^uotrinous.