Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Moses Mendelssohn als Pädagoge
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 374 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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874 Im deutschen Reich. Indem wir nunmehr auf unser Thema näher eingehen, betonen wir nochmals, daß psychologische und pädagogische Fragen nicht von einander getrennt werden können. Da die Thättgkeit des Erziehers vorwiegend auf die Entwickelung der Menfchens e e l e hinzielt, so betrachten wir zuerst als grundlegend MendelSsohn's Standpunkt zu dem Begriff der Seele. An einer Stelle (a. a. O. Bd. I, p. 281), in der er jede spekulativifche Erörterung meidet, heißt es: „Man hört sehr oft klagen, daß wir nicht wiffen, wasdieSeelesei? Ich wünschte, daß man nur zuvörderst antwortete, was die Materie sei? Wir sehen und fühlen sie. Nicht was sie ist, sondern' ihre Eindrücke.-Nun auf die Seele! Wir wissen, was sie wirken kann, denn sie ist ein Wesen, das empfindet, denkt, begehrt, verabscheut u. s. w." Doch finden wir den Begriff definiert (ibiä. p. 267): „Dieses untheilbare, dieses einfache Wesen, das alle Eindrücke aufnimmt, das sie gegen einander halten, auf einander beziehen und mit einander vergleichen kann, ist von der theilbaren, zusammengesetzten Materie wesentlich unterschieden. Wir nennen es zum Unterschiede Seele." Es ist irrig, wenn Goldhammer5) meint, daß die Mendelsfohn'sche Seelentheorie im großen Ganzen mit der der Herb arischen Schule übercinstimmt. In einem wesentlichen Punkte sind die Auffaffungen der beiden Philosophen von einander grundverschieden. Die Einheit und Einfachheit der Seele lehrte schon Aristoteles. Nach Herbart ist die Seele ein Reales und als solches ein einfaches Wesen, weder irgendwo, noch irgendwann; sie hat gar keine Anlagen und Vermögen, weder etwas zu empfangen, noch zu produzieren, und ihr einfaches Was ist und bleibt auf immer völlig unbekannt. Der Gegensatz ist offensichtlich. Während nach Mendelssohn die Seele alle Eindrücke von außen aufnimmt, behauptet Herbart, daß sie weder etwas von außen zu empfangen, noch etwas selber zu produzieren vermöge. . Nach diesem Forscher entsteht alles geistige Leben aus den Verhältnissen zwischen mehreren einfachen Wesen (rss); bei dem Zusammen mehrerer ungleichartiger Realen wird gewissermaßen ein Druck hervorgerufen. Liehe dessen „Tie Psychologie Mendelssohii's". Wien 1886, p. 48.