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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 372

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
Moses Mendelssohn als Pädagoge
Date
1898-08-01
Page
372 (sequence 2)
Language
German
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372 Im deutschen Reich. seligkeit. Der edelste Vertreter der deutschen Aufklärungsphilosophie wie ihn Zeller (Geschichte der Philosophie seit Leibniz, München 1873, p. 333) nennt, istMoseS Mendelssohn. Wenn auch seinewiflenschastliche Bedeutung in Frage gestellt wird, seine Stellung in der Philosophie in verschiedenster Beleuchtung erscheint, so schwankt dagegen nicht sein Charakterbild, denn Alle sind voll des Lobes über diese in sich vollendete edle Persönlichkeit, dieses Prototyp Nathans des Weisen. Wenn nun u. A. den Aufklärungsphilosophen im Allgemeinen Mangel an historischem Sinn vorgeworfen wird, so zeugt es ebenso von Verkennung der geschichtlichen Thatsachen, wenn die Kritik den Stab über wiflenschastliche Leistungen bricht, ohne die Zeitverhältniffe gebührend in Betracht zu ziehen. Die Philosophie mit ihren tiefsinnigen Spekulationen war Eigenthum einiger weniger Denker, in der Aufklärungsepoche ging die Verarbeitung der angehäuften Erkenntnisse vor sich, um sie zum Gemeingut Vieler zu machen. Bei den Juden wurde zu allen Zeiten das Wissen geschätzt, aber es sollte mit einem religiösen und sittlichen Leben gepaart sein; Theorie und Praxis sollten sich durchdringen. In der ihm eigenen urwüchsigen Bescheidenheit präzisiert Mendelssohn seine Stellung in der Philosophie mit folgenden Worten: „Ich habe mir niemals in den Sinn kommen lassen, Epoche in der Weltweisheit zu machen, oder durch ein eigenes System berühmt zu werden. Wo ich eine betretene Bahn vor mir sehe, da suche ich keine neue zu brechen. Haben meine Vorgänger die Bedeutung eines Wortes festgesetzt, warum sollte ich davon abweichen? Haben sie eine Wahrheit an'S Licht gebracht, warum sollte ich mich stellen, als wüßte ich es nicht?"') Mit begeisterten Worten kennzeichnet Mendelssohn seine Beziehungen zu seinen großen Vorgängern (a. a. O. Bd. II, p. 34 im 6. Briefe über die Empfindungen): „Euch, Locke und Wolf! Dir, unsterblicher Leibniz, stifte ich ein ewiges Denkmal in meinem Herzen. Ohne Eure Hülfe wäre ich auf ewig verloren. Euch selbst habe ich nie gekannt; allein Eure unvergänglichen Schriften, die von der großen Welt ungelesen bleiben und die ich in ein- *) Im Anhang zu seinem Phädon a. a. O. Bd. I, p. 246. Moses Mendelssohn's Schriften zur Philosophie, Aesthetik und Apologetik ed Tr. Moritz Brasch, Leipzig, 1881.

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