Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- C. R., Berlin
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 350 (sequence 2)
- Language
- German
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350 3nt deutschen Reich. dies nicht vermag, dem Kreise fern zu bleiben. Keines von beider» ist geschehen, und darin hat der Gerichtsassessor * * * jedenfalls ge» fehlt. Ich werde demgemäß Anlaß nehmen, dm GerichtSaffeffor * * * hieraus aufmrrlsam zu machen." Herr Verwaltungsgerichtsdirektor Blümcke hat nicht nur Ver» unglimpfungen der Juden ruhig angehört, sondern selbst „öffentlich absichtlich" ausgesprochen. Auf diese Verfehlung wird er sicher von der Vorgesetzten Behörde in geeigneter Weise „aufmerksam gemacht, werden!". A. R. Berlin. Wmn die „Staatsbürger»Ztg." am 3. Juni, schrieb: „von dem ebenfalls auf Rixdorfer Gelände am 13. Februar 1896 ermordet aufgefundenen Knaben Willy Burr, an deffen Halse sich eine tödtliche Wunde, sehr ähnlich dem jüdischen Schächt» schnitte, vorfand, hört man aber gar nichts mehr", so lohnt es sich kaum, gegen diesen offenbaren „groben Unfug" des Berliner Antisemiten-Organs etwas zu unternehmen. Es ist, wie der R e d a k * tion der „Staatsbürger-Ztg." bekannt sein muß^ durch die behördlichen Ermittelungen festgestellt, daß die dem armen Knaben von unbekannter Hand zugefügte tödtliche Wunde nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem jüdischen Schächtschnitt hatte, und daß. nicht der geringste Anhalt zur Verdächtigung eines Juden gegeben, war. Der Versuch, hier Ritualmord-Märchen als Thatsachen glaub» Haft zu machen, zeugt von einer verletzenden Unterschätzung der Intelligenz der Berliner Bevölkerung und richtet sich selbst. L. M. Berlin. Es ist ganz unmöglich, bei allen solchen Fällen festzustellen, ob die von der antisemitischen Preffe als Juden Bezeichneten auch wirklich Juden sind. Oft genug ergiebt es sich, daß. dies nicht der Fall ist, daß die betreffenden Blätter auch wohl den Namen des Verhafteten oder Verurtheilten willkürlich verändert haben,, um die jüdische Abkunft wahrscheinlicher zu machen. Mitunter geben sie sich nicht einmal diese Mühe. Unter der aufreizenden Spitzmarke „Jüdische Menschenhändler" stellte die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung" am 7. Juni die Behauptung auf, es sei in Mailand auf zwei jüdische Mädchenhändler, Moritz Engel und Franz S ch ö n f e l d, gefahndet worden. Das Organ des Herrn von Plötz fügte hinzu: „In Wien ist ein ähnlicher Fall vorgekommen. Die Polizei verhaftete den Mechaniker Josef Holzbauer und die Modistin Hedwig Pieper, beide aus Berlin. Dieselben hatten dort das zwölfjährige Mädchen Hedwig Lamsried entführt." Daß Engel und Schönfeld Juden sind, dafür hat die „Deutsche Tageszeitung" nur das nicht allzu verlässige Zeugniß eines