Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- Die Entgegnung Paulsen's
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 324 (sequence 12)
- Language
- German
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324 Im deutschen Reich. Nachdem ich Vorstehendes geschrieben, erhielt ich von befreundeter Seite das evangelische Gemeindeblatt „Der Protestant" vom 26. März. Herr Max Gebhardt kommt in demselben auf die Judenfrage in dem von Professor Paulsen angeregten Sinne zurück. Herr G. hat, wie ersichtlich, die von Herrn Lehmann und mir veröffentlichten Erwiderungen nicht gelesen. Er würde aus diesen ersehen haben, daß die Angaben des Herrn Professors theils irrthümliche, theils gänzlich aus der Luft gegriffene sind. Aber trotzdem Herr Gebhardt durch die parteiische und thatsächlich unrichtige Darstellung der Sachlage beeinflußt worden ist, verdient er uuseren warmen Dank für die offenen, ehrlichen Worte, mit denen er für die vollen Rechte seiner jüdischen Mitbürger eintritt und den Antisemitismus verdammt. Er sagt wörtlich: „Denn da die Juden Steuern zahlen und der allgemeinen Dienstpflicht unterworfen sind, wie alle anderen Leute, da sie die Pflichten erfüllen, die der Staat von ihnen verlangt, müssen ihnen auch sämmtliche staatsbürgerliche Rechte zustehen. Aus dieser allgemeinen Erwägung folgere ich selbst da die Zulassung der Juden, wo man ihnen bis jetzt ganz oder theilweise den Eintritt wehrt, wie z. B. zum Militär und zum Richterberuf." In dem folgenden Satze tritt er dem Antisemitismus in schärfster Weise entgegen: „In einem Antisemitismus, der die Judensrage darin sieht, daß die Juden mehr wissen, mehr verdienen, mehr vermögen, mehr haben, kann ich folglich nichts anderes erkennen, als eine Theorie von Haß und Neid, die zudem nochmitdemunbewußtenEingeständnißeigener Unfähigkeit sich selber richte 1." Wenn Herr Gebhardt nun weiter sagt, daß für uns das Judenthum die Hauptsache sei, so ist dieses absolut nur in dem Sinne der Fall, wie für den Katholiken und für den Protestanten sein Glaube die Hauptsache ist — nichts mehr und nichts weniger. Wir haben kein anderes Vaterland, als unser deutsches Vaterland. Sein Wohl und sein Wehe berühren uns so tief, wie sie nur unsere christlichen'Mitbürger berühren können. In seinem Boden ruhen die, die uns so theuer auf dieser Erde waren, und auch unsere Gebeine werden einst in deutschem