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Im deutschen Reich · 1898-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1898) · p. 319

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1898)
Article
Die Entgegnung Paulsen's
Date
1898-06-01
Page
319 (sequence 7)
Language
German
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Die Entgegnung Paulsen's. B19 In welcher Weise gehen die Bekenner des jüdischen Glaubens nicht in dem Staat, dem sie angehören, auf? Sie sprechen dieselbe Sprache wie ihre christlichen Mitbürger, fie sind durch dieselben Ziele verbunden, sie geben sich denselben geistigen Bestrebungen hin, sie gebrauchen dieselben Mittel zur Erreichung derselben, sie sind durch dieselbe Gesittung und Bildung zusammengehalten, sie erfüllen dieselben Pflichten und opfern in Zeiten der Gefahr Gut und Blut ihrem Vaterlande. Religiöse Bekenntniffe und Gebräuche, die niemanden verletzen oder stören, haben mit diesem Aufgehen nichts zu thun. Ich kann der beste Staatsbürger sein und doch meine eigene Anschauungen über den Werth überlieferter Religionen oder der Religion an sich haben. „Was ist die Ursache davon", fährt Paulsen fort, „daß die Juden, während sonst zersprengte Volkstheile sich so rasch mit der Mehrheit verschmelzen — man denke an die französischen Emigranten — den europäischen Nationen so fremd geblieben sind?" Die Juden sind nun allerdings in den Ländern, die der Herr Prosesior als den Inbegriff der europäischen Nationen zu betrachten scheint, in Rußland, in Oesterreich (aber nicht in Ungarn) und in letzter Zeit in Paris und Algier und leider auch in Deutschland, also in den Ländern und Orten, in denen sie verfolgt, unterdrückt und ungerecht behandelt worden sind, immer noch vielfach als Fremde angesehen worden. Aber wie kann das den Herrn Profeffor nur in Verwunderung setzen? Wie ihm bekannt ist, sind die Nachkommen eines Stammes, dem die Welt so unendlich viel verdankt, seit anderthalb Jahrtausend entmenschten Verfolgungen und nichtswürdigsten Schmähungen ausgesetzt gewesen. Erst seit einem halben Jahrhundert hat man ihnen in den benannten Ländern wenigstens verfassungsmäßig Gleichstellung gegeben, um andererseits im administrativen Wege dieselbe illusorisch zu machen. Wie können Sie denn hier einen Vergleich mit dem Verhalten der französischen Emigranten ziehen? Obgleich die neue Heimath ihnen noch nicht zu Dank verpflichtet war, wurden sie mit der größten Freundlichkeit und Rücksicht behandelt, gleiche religiöse Anschauungen verbanden sie mit ihrer neuen Heimath. Wenn man in einem Militärstaate, wie dem unsrigen, den 24

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