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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 283

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
Dr. A. Eckstein [Rezension]
Date
1898-05-01
Page
283 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 283 wandern mußten, erklärte sich ein Freiherr von Aufseß bereit, . vier Familien bei sich aufzunehmen, doch nur solche, welche wenigstens 1000 fl. Vermögen mitbrächten. Als die Gemeinde zu Oberaufseß verarmt, droht ihr der Grundherr den Schutz aufzukündigen, da — er keinen Vortheil von ihr habe! Nicht nur bezüglich der Gemeinde von Oberaufseß, sondern bezüglich aller im Vamberger Bisthum zeigt sich für die Zeit, für welche wir genauere Nachrichten haben, die Jrrthümlichkeit der verbreiteten Ansicht, daß die Juden sehr vermögend gewesen seien. Einigen wenigen, denen es gelang, Lieferanten zu Kriegszeiten oder Hofjuden zu werden, „lächelte das Glück". Im Allgemeinen waren die Juden im Bamberger Bisthum arm; reich waren dort die Kirche und die Großgrundbesitzer. Nicht wirthschaftliche Verhältnisse, sondern die Verbreitung der Blutlüge, die Schauermär von dem angeblich 1475 zu Trient begangenen Ritualmord rief die Vertreibung der Juden aus Stadt und Stift Bamberg hervor; daß Aberglaube und Religionshaß die Ursachen waren, geht unter anderem daraus hervor, daß Juden, die zum Christenthum übertraten, in der Stadt bleiben durften. Eine spätere Verfolgung vom Jahre 1699 knüpft allerdings an eine] Hungersnoth und das Gerede, daß die Juden sie durch Getreideauskauf verursacht hätten. In der That trifft aber die Negierung der Vorwurf, daß sie statt durch Getreideeinfuhr der Noth abzuhelfen,!gerade damals das Getreide der dem Hochstifte selbst gehörenden Güter außer Landes verkaufte. Die nach der Verfolgung von der Negierung angestellte Untersuchung ergab dann, daß die wahre Ursache gemeine Habsucht und kein tiefer liegendes Motiv religiöser oder sozialer Natur war. Sehr treffend ist die Bemerkung, mit welcher sich ein der Bedrohung Angeschuldigter vor der Untersuchungs-Kommission vertheidigt: „dergleichen Gedanken seien ihm von Gott nicht, sondern von dem bösen Geist eingeblasen worden." Das so leicht zum Wucher ausartende Darlehnsgeschäft wurde damals von den Juden schon ihrer Armuth wegen wenig betrieben. In einer früheren Zeit, im fünfzehnten Jahrhundert, war das Geldgeschäft allerdings die einzige Beschä tigung, aus der die Juden ihren Unterhalt gewannen, aber nur deshalb, weil man sie zu keiner anderen zuließ. „Zur Belehrung und wenn möglich Bekehrung solcher, die nicht wissen, daß auch Christen sich vielfach mit wucherlichen Darlehnsgeschäften befaßt haben," giebt Eckstein S. 258—260 eine reiche Blüthenlese von Belegstellen für christlichen Wucher aus dem Bamberger BiSthum. Aus dem reichen Inhalt des Buches, das sich mit allen Seiten 21

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