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Im deutschen Reich · 1898-03-01 · Heft 3 (März 1898) · p. 173

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 3 (März 1898)
Article
Heinrich Heine's Lieder und Gedichte [Rezension]
Date
1898-03-01
Page
173 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 173 er, daß Heine trotz allen Angriffen sein Vaterland treu geliebt hat. Bei der Ohnmacht und Würdelosigkeit der deutschen Zustände in den dreißiger und vierziger Jahren des Jahrhunderts haben nicht auch Dichter wie Platen und Sollet und andere bisweilen noch stärkere Ausdrücke als Heine gebraucht? Aber dem „Juden" Heine will man auch heute nicht ein scharfes Wort verzeihen, das Unmuth ihm entriß und Bitterkeit. Und doch hat 1853 Fürst Bismarck, damals preußischer Gesandter in Frankfurt, voll Zorn über die deutsche Ohnmacht, ausgerufen: „Das bekannte Lied von Heine: O Bund, du Hund, du bist nicht gesund, wird bald durch einstimmigen Beschluß zum Nationallied der Deutschen erhoben werden." Wie Börne, der freilich ruhiger, fester und seiner selbst sicherer als der reizbare Dichter war, hat auch Heine für Deutschland, „seine ferne Liebe", gekämpft und gelitten; beide haben Schiller's Mahnung, man müsse den Deutschen die Wahrheit so derb wie möglich sagen, rücksichtslos befolgt, weil sie das deutsche Volk erwecken wollten. Darum schließt Buchheim die englisch geschriebene Einleitung treffend mit den Worten: „Heine feit liimself to be a thorougb German poet, and in tliis sense he expressed bis conviction that there will be no protest raised against the inscription on his tombstone: „Hier ruht ein deutscher Dichter!" Dan. Jacoby. Dr. M. Kayserling. „Die Juden als Patrioten." Ein Vortrag, gehalten in den Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Berlin und Leipzig. Verlag von Albert Katz, Berlin 1898. Diese Schrift, der eine große Verbreitung zu wünschen ist gipfelt in folgenden Sätzen: „Der blinde Haß und das tief eingewurzelte Vorurtheil mögen dem Juden noch hier und da Mangel an Patriotismus vorwerfen. Der Haß verstummt, das Vorurtheil wird, muß schwinden, die Wahrheit siegt, sie siegt mit der blanken Waffe aus deiit reichen Arsenal der Geschichte. In den Blättern der Geschichte der Völker und Staaten ist es verzeichnet, daß die Juden in alter und in neuer Zeit, in der alten und in der neuen Welt, tausendfältige Beweise ihrer Treue, ihres Muthes, ihrer Ausdauer, ihrer militärischen Tüchtigkeit und ihrer staatsmännischen Klugheit geliefert haben. Sie werden überall wo die Staaten auf den Säulen des Gesetzes und der Verfaffung, der Gleichheit Aller in Pflichten und Rechten gegründet sind, im Frieden und im Kriege, ob im fernen Westen oder im äußersten Osten, sich immer bewähren als treue, aufopferungsvolle Patrioten."

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