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Im deutschen Reich · 1898-03-01 · Heft 3 (März 1898) · p. 164

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 3 (März 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-03-01
Page
164 (sequence 2)
Language
German
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164 3m deutschen Reich. lassenseins ledig werden können. Mit der Abwehr solle die innere Gesundung verbunden sein, nicht weil etwa die vorhandenen Mängel den Antisemitismus erzeugt hätten, der sicher vorhanden sein würde, auch wenn die Juden lauter Mustermenschen wären, sondern um die Gegner zu beschämen und die Unbefangenen vor dem Wahne'zu bewahren, daß die Angriffe gegen die Juden berechtigt seien. Man müsie nun einmal mit der Thatsache rechnen, daß das, was der'einzelne Jude verübe, allen Juden zur Last gelegt werde. Deshalb sei der Einzelne verpflichtet, der Gesammtheit allezeit zu gedenken, und deren Ehre ebenso zu wahren wie die eigene. Alles Andrängen an höhere Schichten, alles Auffallende, jede Eitelkeit und Prunksucht müsse vermieden werden; es müsse alles unterlassen, werden, was die Abneigung Unbefangener Hervorrufen, den Gegnern als Handhabe dienen könne. Anknüpfend an einzelne in Bogumil Goltz' Schrift „Die modernen Jüdinnen" und Nahida Nemys „Das jüdische Weib" enthaltenen Aeußerungen verwies der Vortragende auf die von den Frauen in dieser Richtung zu beherzigenden Dinge und zeigte dann, wie die Männer in sozialem Verkehr sich weder Andersgläubigen aufdrängen, noch sich aus übertriebener Empfindlichkeit unnöthiger Weise absondern oder gar der gemeinnützigen Thätigkeit entfremden dürften. Immer müßten sie es vertreten, daß der jüdische Glaube die Prüfung aller Mitmenschen bestehen könne, aber auch immer bewußt bleiben, daß außer dem Glauben uns Juden das Band der gemeinsamen Verantwortlichkeit verknüpfe. Daraus folge die Pflicht der Heilighaltung der Religion unter voller Duldsamkeit gegen Andersdenkende, die Heilighaltung des Familienlebens, die Pflicht, aus uns selbst zu achten und uns selbst zu achten, den Kastengeist zu verbannen und die sozialen Gegensätze innerhalb des Judenthums möglichst auszugleichen. Darin habe der Central-Verein, in welchem sich Männer der verschiedensten politischen und religiösen Richtung brüderlich zusammensind en, bereits vieles Gute geleistet; er habe manche Kluft überbrückt und schon dadurch allein seine Existenzberechtigung erwiesen. Er möge immer mehr erziehlich wirken, uns lehren, uns selbst zu guten Juden, guten Deutschen, guten Menschen zu bilden, zu jeder Zeit und an jedem Ort unsere Schuldigkeit, unsere Pflicht zu thun! — Lebhafter Beifall belohnte diese Ausführungen, an welche sich eine sehr ausgedehnte Debatte knüpfte. Der Versuch eines Redners, im Verlauf der Diskussion die letztere auf das politische Gebiet hinüberzuleiten, wurde von dem Vorsitzenden mit großer Energie zurückgewiesen. Auf Grund einer 33jährigen Praxis hob sodann Herr Rabbiner Dr. G r ü n f e l d unter allgemeiner Zustimmung den Herr-

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