Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 163 (sequence 1)
- Language
- German
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163 Uereirrsnachrichten. Im blauen Saale des Alexanderplatz-HotelS fand am 28. Februar d. I. eine Versammlung der im N. und NO. Berlins wohnenden Central-Vereins-Mitglieder statt. Herr Dr. med. Jul. Moses eröffnete die Versammlung, widmete dem am 20. Februar dahingeschiedenen Mitglieds des Gruppenvorstandes, Herrn Dr. Gustav Kalischer, einen ehrenden Nachruf und trat hierauf den Vorsitz an Herrn Schriftsteller Robert Wohlberg ab. Dieser ertheilte Herrn Dr. Moses das Wort zu einem Vorträge über „Die innere Mission im Judenthum"« Der Redner verwies zunächst auf die Nothwendigkeit, während des Kampfes um unser gutes Recht nicht nur auf die äußeren Feinde zu schauen, sondern auch' von Leit zu Zeit den Blick auf das eigene Lager zu richten, nicht nur die Bewegungen der Gegner zu überwachen, sondern auch für die Manneszucht der eigenen Truppen Sorge zu tragen. Es sei deshalb wichtig, nicht ohne Weiteres alle Angriffe als unberechtigt und gehässig zu betrachten, sondern stets sorglich zu prüfen, ob nicht doch einzelne derselben irgend eine Berechtigung hätten und durch Abstellung der Mängel abzuweisen seien. Daß die meisten derartigen Mängel nur die fast unvermeidlichen Folgen jahrtausende langer Knechtschaft seien, enthebe nicht der Pflicht, auch diese Mängel abzustreifen, und diese Pflichterfüllung, welche eine „ethische innere Mission" darstelle, werde durch die Wirksamkeit des Central-Vereins erleichtert, weil dieser bereits zur Vermehrung des Gemeinsinns, zur Wiederaufrichtung des niedergedrückten Selbstbewußtseins, zu einem von Ueberhebung freien Stolz des Judenthums wesentlich beigetragen habe. Leider habe man sich von dem vor Gründung des Central-Vereins maßgebenden Grundsätze: „Laisser faire, laisser aller*4 erst losgesagt, nachdem die Krankheit des Antisemitismus bereits chronisch, ja epidemisch geworden war. Leider gebe es selbst in Berlin jetzt noch Viele, welche die Nothwendigkeit verkennen, an der Abwehr nach außen, an der sittlichen Hebung nach innen sich zu betheiligen, während der in der Provinz fühlbare Antisemitismus bereits überaus zahlreiche auswärtige Glaubensgenoffen veranlaßte, es als einen Segen anzuerkennen, daß endlich eine weithin sichtbare Stelle vorhanden sei, wo sie entweder Rath oder Beistand finden, oder doch wenigstens ihr Herz ausschütten und des Gefühls des Ver-