Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Emil Lehmann
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 124 (sequence 8)
- Language
- German
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124 3m deutschen Reich. die Getreuen im Lande rc." Er gedachte in warmen Worten des Lebensganges des Verklärten, schilderte dessen vornehmen Geist, Herzensgute, seinen frommen und religiösen Charakter, sein Wirken für seine Glaubensgenossen in Tempel, Haus und Familie und stellte den Verblichenen als Vorbild eines vortrefflichen Menschen hin. Nach abermaligem Gesang und Orgelspiel sprach der Rabbiner Worte der Aussegnung und der tiefen Trauer der Gemeinde, der Familie, der zahlreichen Freunde. Die Herren des Gemeinderathes hoben bei Orgelspiel den -Sarg auf und trugen ihn aus dem Tempel zum Leichenwagen, der, gefolgt von mehr als 30 Begleitwagen, zur Bestattung auf den an der Trinitatisstraße gelegenen israelitischen Friedhof gebracht wurde, wo die Beerdigung nach israelitischem Ritus erfolgte. In der Parentationshalle widmeten dem Verstorbenen noch Nachrufe: der Gemeindevorsteher Herr Juftizrath Gustav Meyer namens der israelitischen Religionsgemeinde in Dresden, Herr Bürgerschuldirektor Kunath namens der Freimaurerloge zu den drei Schwertern, Herr Di-, jur. Minden namens des Vorstandes des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in Berlin und Herr Bankier Max Arnhold namens des Vorstandes des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin". Der Lorbeerkranz, den der Central-Verein an dem Sarge seines treuen Mitgliedes und hochbegabten Mitarbeiters Emil Lehmann niederlegen ließ, ist inzwischen verdorrt, aber unverwelklich lebt in der Erinnerung das Wesen dieses edlen deutschen Mannes jüdischen Bekenntnisses fort, der deutsches und jüdisches Wesen in sich harmonisch verbunden hat. In seiner Flugschrift „Schutz und Förderung jeder redlichen Arbeit" hat er folgendes Programm aufgestellt: „Schutz und Förderung jeder redlichen Arbeit, ohne Unterschied des Bekenntnisses, Aechtung und Bestrafung jedes Lngs und Trugs, das in die gesetzliche, die sittliche, die religiöse Forderung. Darin müssen alle Bekenntnisse übereinstimmeil, danach müssen alle gleichmäßig beurtheilt werden. Die schlechten Handlungen einzelner Juden sind ebensowenig jüdisch, als die schlechten Handlungen einzelner Christen christlich. Undeutsch, unchrisrlich, wie unjüdisch ist's, den: Bekenninist, der Gesannntheit zur 2ast zu legen, was der Einzelne verbrochen; undeutsch, unchristlich tute unjüdisch ist's, das übereinstimmende Tittengesetz beider Bekenntnisse zu leugnen tmb