Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- Antisemitische Postkarten
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 85 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitische Postkarten. 85 senders geschehen ist, ob er sich dadurch beleidigt fühlt, ist etwas, was die Reichspostverwaltung unmöglich ausführen kann, sondern sie kann nur sagen, nach diesen Bildern, die dort in Frankfurt a. M. zur Versendung kamen, fühlen sich BewohnerDeutschlands beleidigt. In Folge dessen haben wir solche Postkarten von der Beförderung ausgeschlossen. Das mit den Einzelnen zu erörtern, halte ich für vollkommen unmöglich durchzuführen." Dieser Erklärung folgte der von der rechten Seite des Hauses her tönende Ruf: „Sehr richtig" und die Aeußerung des Abg. Müller-Fulda, daß möglichst alle Postkarten beleidigenden und obscönen Inhalts von der Beförderung ausgeschlossen werden möchten. Nach dieser Reichstagsverhandlung sollte man wohl mit Sicherheit erwarten dürfen, daß von jetzt ab Versuche, durch hetzerische antisemitische Postkarten deutsche Staatsbürger zu beleidigen, an dem entschiedenen Willen der Reichspostverwaltung, solchem Unfug keinen Vorschub zu leisten, in allen Fällen scheitern werden. Noch am 30. Januar d. I., also nur wenige Tage vor der bündigen Erklärung des Staatssekretärs des Reichspostamts hat das Postamt D a r m st a d t eine mit Bleistift an den jüdischen „Kaufmann Krämer, per Adresse Trier, Eisen- Handlung", gerichtete Postkarte befördert, welche keinen Text, sondern nur eines der Judenhetzbilder des Köln. Hofs in Frankfurt a. M. aufwies. Der Absender, der in Herrn Krämer thatsächlich „einen Bewohner Deutschlands beleidigte", hat sich wohlweislich nicht genannt. Eine Beschwerde über den Beamten des Postamts Darmstadt, der jene Karte trotz der gegentheiligen Weisungen beförderte, ist deshalb unterlassen worden, weil sich hoffen läßt, daß nach der am 4. Februar von dem Staassekretär von Podbielski öffentlich abgegebenen Erklärung die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens künftig nie wieder Grund haben werden, über die Beförderung beleidigender Juden-Karrikaturen durch die Reichspost sich zu verwundern. * * *