Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- Antisemitische Postkarten
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 82 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316640-2321922--03624-2322003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 Antisemitische Postkarten. Ä|n dem Heft Nr. 9 des vorigen Jahrgangs dieser Zeitschrift wurde die Hoffnung ausgedrückt, daß die Reichspostverwaltung in allen Fällen, in welchen die politische Gesinnung einzelner Beamten sich bei dem postalischm Verkehr in einer für deutsche Staatsbürger verletzenden Weise kundgeben sollte, Gerechtigkeit und Schneidigkeit walten lassen werde. Den Anlaß zu dieser Aeußerung bot die Thatsache, daß, nachdem die Kaiserliche Oberpostdirektion zu Frankfurt a. M. durch das dortige Postamt I demjenigen Beamten, welcher eine antisemitische Hetz-Postkarte nicht von der Beförderung ausgeschloffen, eine Rüge ertheilt hatte, doch noch ein hannöversches Postamt eine Postkarte beförderte, die ein ebenso bösartiges Judenhetzgepräge aufwies. Ob derartige den Aufdruck „Deutscher Krug, Besitzer Emil Krug" und dreizehn pöbelhafte Hetzstrophen ausweisende Postkarten noch mehrfach durch kaiserliche Postämter befördert worden sind, ob die später von dem genugsam bekanntenDresdnerBilderbogen-FabrikantenGlöß zumBerkauf gestellten sogenannten „Zionisten - Postkarten" trotz ihrer nicht minder anstößigen Juden-Karrikaturen überhaupt in den Postverkehr gelangten, ist nicht zu unserer Kenntniß gelangt. Jedenfalls halten wir es für sehr erfreulich, daß der mit solchen Postkarten getriebene grobe Unfug neuerdings im deutschen Reichstage zur Erörterung gelangt ist und daß dabei der Leiter der Reichspostverwaltung sich gegen den Mißbrauch offener Postkarten zur Beleidigung deutscher Staatsbürger in entschiedener Weise ausgesprochen hat. Der antisemitische Abg. Liebermann,von Sonnenberg brachte am 4. Februar im deutschen Reichstage bei der Berathung des Titels „Gehalt des Staatssekretärs des Reichspostamts" verschiedene Postangelegenheiten zur Sprache, machte dabei den witzig sein sollenden Vorschag, für die Sonntagsbestellungen der am Sonnabend nicht schreibenden Juden möchten jüdische Brief-