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Im deutschen Reich · 1898-02-01 · Heft 2 (Februar 1898) · p. 72

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 2 (Februar 1898)
Article
Der Antisemitismus in Frankreich
Date
1898-02-01
Page
72 (sequence 4)
Language
German
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72 3m deutschen Reich. verkündet wurden, daß es als ein Nachtheil für das Land bezeichnet wird, wenn in dem Ministerium Protestanten sind. Die Protestantenhetze ist die logische Konsequenz der Judenhetze in Frankreich, gegen jede in der Diaspora lebende Minorität richtet sich die Unduldsamkeit, namentlich dann, wenn diese Minorität sich durch Fleiß, Eifer und rege Betheiligung an der Lösung der staatlichen Aufgaben hervorthut. Die letzten Wurzeln des Antisemitismus treten hierdurch besonders klar zu Tage, und man sollte meinen, daß diese Verbindung mit einer Protestantenhetze auch in anderen Ländern nicht ohne Einfluß bleiben sollte. Daß der französische Antisemitismus vollständig politischen Bestrebungen dient, daß er von den Klerikalen als Agitationsmittel benutzt wird, um bei den Wahlen möglichst große Erfolge zu erringen, unterliegt keinem Zweifel; man redet dem Volke vor, die Armee sei durch die Juden beleidigt, das jüdische Syndikat wolle einen schuldigen Landesverräther befreien, es rechne auf die deutschen Gewehre und wolle Verwicklungen zwischen Frankreich und Deutschland Hervorrufen, weil man mit Sicherheit annimmt, daß mit Hülse dieser und ähnlicher Ausstreuungen sich eine Mehrheit erzielen lasie, die angeblich zum Zwecke der Bekämpfung des jüdischen Einflusses gewählt ist, in Wirklichkeit aber ganz andere Ziele verfolgt. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Hoffnungen der klerikalen Partei in Frankreich hier darzulegen, es handelt sich an dieser Stelle nur darum, festzustellen, daß diese Partei die Hauptverantwortlichkeit dafür trägt, wenn es in Frankreich und Algerien bereits zu offenem Angriff auf das Leben und Eigenthum der jüdischen Bevölkerung gekommen ist. Max Nordau hat auf dem Zionistenkongreß in Basel gesagt, die Emanzipation der Juden sei in Frankreich lediglich als logische Konsequenz der Erklärung der Menschenrechte erfolgt. Das geistvolle Wort ist, wie so mancher Ausspruch Nordau's, nicht zutreffend, der Antrag auf Emanzipation der Juden in der konstituierenden Nationalversammlung, welche die Menschenrechtsdeklaration bereits beschlossen und die Adelsprivilegien abgeschafft hatte, wurde zunächst abgelehnt, und erst später entschloß man sich, den französischen Staatsbürgern jüdischen Glaubens die Rechte zu gewähren, deren sich die katholischen und protestantischen bereits erfreuten. Dieser historische Vorgang spricht gegen die These

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