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Im deutschen Reich · 1898-01-01 · Heft 1 (Januar 1898) · p. 67

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 1 (Januar 1898)
Article
[Ohne Titel]
Date
1898-01-01
Page
67 (sequence 3)
Language
German
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Eingesandt. 67 Inspektoren u. s. w. Stellung zu - finden od^r ein größeres Gut zu pachten. Hier ist es aber gerade wieder der „Jude", welcher dem Fortkommen der jungen Leute hindernd in den Weg tritt, denn die Zahl der christlichen Großgrundbesitzer, welche einen jüdischen Verwalter anstellen, dürfte eine sehr beschränkte sein, weil gerade in diesen Kreisen der Anüsemitismus am stärksten verbreitet ist. Nun will ich den anderen Fall betrachten: Ein jüdischer, gebildeter Landwirth, der einen landwirthschaftlichen Großbetrieb führen will, übernimmt von einer Grundherrschast einen größeren Pachthof (und hier glaube ich, daß dem konservativsten antisemitischen Großgrundbesitzer der jüdische Pächter schon recht ist, wenn er ihm nur mehr bietet als der christliche), auch hierbei hat der jüdische Landwirth mit größern Schwierigkeiten zu kämpfen als der christliche. Da ihm jüdische Dienstboten nicht zur Verfügung stehen, so empfindet er die leidige Dienstbotennoth doppelt; denn die Landwirthschaft muß sich ohnehin mit minderwerthigem Arbeitermaterial begnügen, ein jüdischer Dienstherr aber mit dem minderwertigsten. „Judenknecht" oder „Judenmagd" zu sein, wird leider in unserem „aufgeklärten" Jahrhundert als eine Schande angesehen. Eine andere Frage, welche Herr Tuch angeregt hat, nämlich die Gründung von jüdischen Kolonien, ist eher der Beachtung werth. Ich will mir, da ich die Verhältnisie der osteuropäischen Juden, um die es sich hauptsächlich hierbei handeln kann, zuwenig kenne, kein entschieden absprechendes Urtheil über derartige Gründungen anmaßen. Offenbar ist das zahlreiche bedauernswerthe jüdische Proletariat in Rußland, Galizien u. s. w., das nichts zu verlieren und nur zu gewinnen hat, mit anderem Maßstab zu messen, wie der deutsche Jude. Wenn diese Leute in den zu gründenden Kolonien auch ein arbeits- und entbehrungsreiches Leben führen müßten, bester wie ihre vorherige gedrückte Stellung wird es jedenfalls für sie werden, denn sie können sich wenigstens als Menschen unter Menschen fühlen. Immerhin wird in solchen Kolonien die sorgfältigste Auswahl unter dem Menschenmaterial getroffen werden müssen; ungezählte Millionen dürften aufgewendet werden müssen, und ob die zu erzielenden Resultate in einem halbwegs richtigen Verhältniß zu den ungeheuren Opfern stehen werden, dürste noch sehr zu bezweifeln sein. Ich will annehmen, daß eine jüdische Kolonie von 1000 Personen gegründet werden sollte. Die Kolonie würde von unserer Großfinanz mit den nöthigen Mitteln ausgestattet, und auf modernstem Groß- und Maschinenbetrieb eingerichtet. Welche ungeheuren Mittel würden dann nothwendig sein und wie lange Zeit

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