Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 52 (sequence 2)
- Language
- German
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52 3m deutschen Reich. aus Hamburg kürzlich gehaltenen Vortrag, vorn Standpunkte des Theoretikers und dann auf Grund eigener Erfahrungen von der praktischen Seite. Der Vortragende gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß man den landwirthschaftlichen Beruf nicht erst in spätem Lebensalter ergreifen könne/ sondern für denselben erzogen werden müsse und daß deshalb die von einem bekannten Philantropen, dem Consul A. M. Simon, in Ahlem bei Hannover begründete „Israelitische Erziehungsanstalt", in welcher junge Leute in trefflichster Weise für den Beruf der Bodencultur vorbereitet würden, die allgemeinste Unterstützung verdiene. Der Redner wies nach, daß es später sehr wohl möglich sein werde, zahlreiche israelitische junge Leute, welche zum Gartenbau und zum Ackerbau vorgebildrt seien, als Gehilfen, Vögte und Vorarbeiter unterzubringen und ihnen mit Hilfe des neubegründeten „Vereins zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands" später auch den Weg zur Selbständigkeit zu ebnen. Mit Wärme vertrat der Vortragende die Ansicht, daß eine größere Betheiligung der Juden an der Bodencultur wohl schwierig, aber möglich und wünschenswerth sei, den Juden aber sicher zum Heil und zur Ehre gereichen werde. Diese Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Sodann drückte der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz dem Vortragenden den Dank der Versammlung aus und betonte, daß es sicher den Tendenzen eines Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens entspreche, alle Bestrebungen zu unterstützen, welche darauf abzielen, die Juden mehr und mehr zur Bearbeitung der deutschen Scholle anzuleiten. Der Vorsitzende erklärte, daß er selbst aus persönlichen Erfahrungen die Ueberzeugung gewonnen habe, welchen Segen die Ahlemer Anstalt einem Theil der jüdischen Jugend bringe, daß er ferner auch überzeugt sei, daß selbst die Unterbringung rituell erzogener jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter nicht zu schwierig sein werde. Das von dem Redner in dankenswerther Weise empfohlene Ziel sei in hohem Grade erstrebenswerth. Daran knüpfte Herr Dr. Horwitz den Bericht über die im Jahre 1897 entfaltete Vereinsthätigkeit. Er theilte dabei mit, daß die Zahl der Einzelmitglieder sich in diesem Zeiträume um ca. 1500 vermehrt habe, wozu insbesondere eine im Westen Berlins, eine in Posen und eine in Hamburg veranstaltete Agitationsversammlung wesentlich beigetragen hätten, weshalb weitere derartige Veranstaltungen, u. A. in Breslau, in Aussicht genommen seien. Die erfreuliche Vermehrung der Mitgliederzahl sei aber auch zum großen Theil auf den rühmlichen Eifer einzelner Vertrauensmänner zurückzuführen, der Herren Nathan Kantorowicz - Posen, Handelsschuldirektor Deutschländer - Hamburg,