Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- München
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 48 (sequence 2)
- Language
- German
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48 Im deutschen Reich. chener Verhältnissen führten, boten nichts besonders Interessantes. Tie Wiener Gäste fuhren in einem Galawagen mit hinten aufstehenden gallonierten Dienern am Versammlungslokale vor. Einem Anhänger Schönerers, der sich bei der angekündigten „freien Diskussion" zum Wort gemeldet hatte, ertheilte der Vorsitzende dasselbe mit den Worten: „Herr Friseur Nowak." Die Verwahrung Nowaks gegen diese Herabwürdigung eines ehrsamen Gewerbes sowie seine Ausführungen gegen die chriftlichsoziale Partei und ihren Verrath am Deutschthum wurden mit fortwährendem Lachen und heftigen Zurufen begleitet; das Schreien, Pfeifen, Trampeln erhob sich schließlich zu so andauerndem Tumult, daß der Redner seine Ausführungen unfreiwillig beenden mußte. Am Tage darauf sollten die Frauen mobil gemacht werden zur Unterstützung ihrer Gatten und Brüder im Kampfe gegen „das überwuchernde Semitenthum". Als der Wiener Bieholowärek von diesem Thema abschweifte, mußte er sich vom überwachenden Polizeibeamten auf das nichtpolitische Gebiet zurückleiten lassen. In München wollten diese Herren nach Wiener Muster einen „Bund christlicher Frauen" gründen, welcher die Männer im Kampf „gegen die Fremdlinge" kräftig unterstützen sollte. Der Einladung der Redner Armann, Bieholowärek und Wenggs zur Einzeichnung in die Mitgliederlisten sollen 58 Frauen und Mädchen Folge geleistet haben. Der 3!est des Abends wurde in gemüthlichem Beisammensein im „judenfreien Lokal" eines hiesigen Weimvirths zugebracht. Wenn auch diese Frauenbewegung nicht gerade gefährlich erscheint, da ja anscheinend nur die schon längst auf das antisemitische Dogma eingeschworenen Frauen und Töchter der hiesigen Resormparteiler mitmachen, diesem Kreise fernstehende aber kaum in beträchtlicher Zahl gewonnen wurden, so sollte man sie doch nicht ganz außer Acht lassen, zumal die Antisemiten gegenüber den Frauen, wie gegenüber den in neuester Zeit in Behandlung genommenen Arbeitern skrupellos zum Kampf gegen die Juden aufreizen unter Beiseitelassung der Verschleierung, ja Verleugnung ihrer sonstigen Anschauungen insbes. auf politischem und religiösem Gebiet. — Dem Rechtsanwalt Rosenthal wurde am Neujahrstage der Titel „Justizrath" verliehen. — Der Honorar-Professor an der hiesigen Universität Landgerichtsrath Or. Heinrich H a r b u r g e r ist zum Staatsanwalt bei dem Oberlandesgericht München ernannt worden. In dem Cafe; Heck kam es am Abend' des 15. Januar zu einer aufregenden Szene. An einem Tische wurden im Kreise von Künstlern und Schriftstellern von dem Bildhauer Eduard Beyrer jun. heftige antisemitische Reden geführt, um den anwesenden jüdischen Maler K. zu vertreiben. Als Beyrer auf einen