Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Umschau
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 37 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 37 Kultusgemeinde eine Audienz gewährte, hat aber bereits in derselben seinen Abscheu über die Ausschreitungen gegen die Juden ausgesprochen. Er forderte die beiden Herren auf, ihre Glaubensgenossen zu versichern, daß sich ähnliche Vorkommnisie nicht wiederholen würden, sowie daß den Opfern der Excesse vollständiger Schadenersatz geleistet werden solle.; Bezeichnend für die deutsch-feindliche Gesinnung der französischen Antisemiten war ein Antrag, welchen kürzlich der Abgeordnete de Beauregard in der französischen Deputirtenkammer einbringen wollte, weil sich dieser Antrag genau so gegen die Abkömmlinge von christlichen Deutschen wie gegen französische Juden und getaufte Juden richtete. Dieser von Beauregard beantragte Gesetzentwurf sollte lauten: „Art. 1. Jedem Individuum jüdischen Ursprungs ist es verboten, einer öffentlichen Verwaltung anzugehören. Art. 2. Jeder von fremden Eltern geborene Franzose kann erst in der zweiten Generation zu einem unter der Kontrole 'des Staats stehenden Amte zugelassen werden." In der gehässigen Begründung des Antrages war gesagt: „Seit 27 Jahren haben die Juden in Frankreich dermaßen gehaust, daß dieses vor dem Ende des 20. Jahrhunderts von der Karte verschwinden wird, wenn man nicht ehestens Vorsorge trifft, wie man aus den Versuchen, die Revision des Dreyfus-Prozesses herbeizuführen, ersehen kann. Ganz Frankreich ist heute in den Händen der Juden, die sich nunmehr auch der Armee bemächtigen wollen." Auch für den Panamaschwindel, der doch bekanntlich nicht von Juden, sondern von de Lesseps und den Spitzen der bonapartistischen Partei geleitet wurde, machte de Beauregard in der Begründung seines Antrages die Juden verantwortlich. Der Präsident der französischen Deputirtenkammer, Brisson, hat diesen Antrag als gegen die Verfassung verstoßend bezeichnet und ihn anzunehmen sich geweigert. Beauregard und Pontbriand wollen nun den französischen Kriegsminister über das angebliche Eindringen der Juden in die Armeen und die öffentlichen Aemter interpellieren. Bezeichnend ist nicht nur der Versuch der französischen Antisemiten, sondern auch der Beifall, den ihre deutschen Gesinnungsgenossen dem verfassungswidrigen Vorhaben derselben zollen. Wenn es eine Judenhetze gilt, vergessen diese sonderbaren „Naüonalitätsschwärmer" freilich stets ihr Deutschthum, verbinden sich jubelnd mit Ezechen, Rumänen und Franzosen und beweisen dadurch, daß die I n t e r n a t i o n a l i t ä t des Hasses bei ihnen stärker ist als die Vaterlandsliebe, die sie Andersgläubigen abzusprechen wagen. A. L.