Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Fürst Bismarck und der Antisemitismus
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 15 (sequence 1)
- Language
- German
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15 Sürst Lismarck und der Antisemitismus. süddeutscher Politiker, der bei einem der letzten Aufenthalte des Fürsten Bismarck in Kissingen in der oberen Saline zur fürstlichen Tafel gezogen wurde, hat sich Aufzeichnungen über die damals geführten Gespräche gemacht und der „N. Fr. Pr." daraus Folgendes mitgetheilt: Das- Gespräch kam auf die antisemitische Agitation. Der Fürst beschränkte sich zunächst auf einige kurze Bemerkungen, ging ober dann, als ein Herr der Tafelrunde ein hartes Urtheil über die Juden fällte und die Frage streifte, ob es doch nicht zweckmäßig gewesen wäre, wenn der damalige Reichskanzler den ihm in den achtziger Jahren überreichten antisemitischen Resolutionen irgendwie Folge gegeben hätte, näher auf das Thema ein. Er halte die Beimischung des jüdischen Elementes zu dem germanischen für nützlich. Die Juden gäben der Bevölkemng ein Mouffeux, das sonst fehlen würde, Antriebe und Beweglichkeiten, die sonst kaum in dem Maße vorhanden wären. Und dann sehe er auck, abgesehen von allen Erwägungen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, keinen Weg, auf dem die Ziele der Antisemiten zu verwirklichen wären. Wenn man sie nach der Ausführung ihrer Pläne in der Wirklichkeit fragt, so ginge es ihnen ähnlich wie den Sozialdemokraten, sie wüßten nichts praktisch Ausführbares vorzuschlagen. Was könne man überhaupt machen? Maßregeln, wie die Bartholomäusnacht oder die sizilianifche Vesper würden die Antisemiten kaum selbst in Vorschlag zu bringen wagen. Ausweisen könnten wir die Juden auch nicht, ohne unseren Nationalwohlstand schwer zu schädigen. Andere Maßregeln, wie etwa die Ausschließung der Juden von richterlichen und anderen Staatsstellen, würde das Uebel, das die Antisemiten beseitigen zu müssen glaubten, nur ver-