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Im deutschen Reich · 1898-01-01 · Heft 1 (Januar 1898) · p. 12

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 1 (Januar 1898)
Article
Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
Date
1898-01-01
Page
12 (sequence 12)
Language
German
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12 Im deutschen Reich. darüber freuten, wenn man sie für „Teutonen" hielt,- charaktervoll genug sind, zu erklären: „Ich schäme mich meines Glaubens nicht; ich bin ein Jude!" Der Central-Verein würde feine erziehliche Aufgabe nur halb lösen, wenn er sich damit begnügte, das religiöse Bewußtsein wachzurufen, wenn er nur zu diesem Zwecke an den in den deutschen Juden vorhandenen Mannesmuth und Biedersinn appellieren wollte! Er will alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens unter das von ihm aufgepflanzte Banner vereinigen; er hat deshalb neben der Glaubenstreue die Liebe zum deutschen Vaterlande zu pflegen, seine Mitglieder zur treuesten Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten anzuhalten, denn in dieser bürgerlichen Pflichttreue wurzelt der Anspruch auf die Rechte, die zunächst theilweise nur noch auf dem Papier stehen, die uns aber auf die Dauer nicht vorenthalten werden können, weil Recht Recht bleiben muß! Wir halten die Bestrebungen, heimaths- und erwerbslos gewordenen ausländischen Glaubensgenosien eine gesicherte Unterkunft in Palästina oder Argentinien zu verschaffen und sie dort der Bodenkultur zuzuführen, für werth der innigsten Sympathien; aber die Aufgaben des Central-Vereins liegen auf einem anderen Felde. Er hat vor allem in seinen Mitgliedern die Ueberzeugung zu festigen, daß das Judenthum um seine Bekenner nur ein religiöses und geschichtliches, aber kein nationales Band schlingt! Weil Druck Gegendruck erzeugt, ist es nur zu begreiflich, daß Einzelne im Gefühl verletzten Stolzes angesichts ungerechter Zurücksetzungen sich gar nicht mehr als Glieder einer Gesammtheit betrachten, die sie anscheinend nur widerwillig duldet. Wir erachten solche Gcmüthsverbitterung als bedauerlich; wir fragen bei unserer Liebe zum Vaterlande nicht nach Gegenliebe und Lohn; wir sagen zum deutschen Volk, dessen Theil wir sind: „Wenn ich Dich liebe, was geht es Dich an?" Und ob wir wollen oder nicht: theuer ist und bleibt uns die deutsche Scholle, auf der wir geboren sind, unter der die Gebeine unserer Vorfahren liegen, der vaterländische Boden, auf dem seit 1000 Jahren Juden mit den übrigen Bewohnern gelebt und gelitten, gestrebt und gestritten, für deffen Vertheidigung viele Juden ihr Herzblut vergoffen haben. Geburt und Erziehung, Sprache, Sitte und Neigung machen uns zu ebenbürtigen Deutschen.

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