Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Der Lentral-Vereilr deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. 11 der Central-Verein solche Abwehr zu üben versucht; er hat dabei kongruente Bestrebungen nach Möglichkeit gefördert, auch, wenn von gleichgesinnten Vereinigungen geeignete Flugschriften herausgegeben wurden, eine größere Anzahl derselben angekauft und in geeigneter Weise in ganz Deutschland verbreitet. Niemals verhehlte sich aber der Vereinsvorstand, daß die Abwehr nach außen nur dann dauernde Erfolge erzielen könne, wenn gleichzeitig eine Gesundung der inneren Zustände, eine ethische Hebung, eine Verinnerlichung des Judenthums bewirkt werde. Dieses Streben, diese Thätigkeit nach innen ist in erfreulichster Weise durch das gemeinsame Wirken nach außen erleichtert worden. Dadurch, daß im Central-Verein sich zu diesem Zwecke Männer der verschiedensten religiösen Richtungen, Angehörige der mannigfachsten politischen Parteien die Hand reichten, Schulter an Schulter kämpften für ihre heiligsten Güter, für ihre Ehre, für ihre Religion und für die Zukunft ihrer Kinder, ist mancher kleinliche innere Zwist beseitigt, das Gefühl der Zusammengehörigkeit wieder wachgerufen, das Rückgrat jedes deutschen Juden wieder gekräftigt worden. Männer, die ihr Judenthüm fast vergessen hatten, empfanden das entsetzliche Unrecht, welches ihren Glaubensgenossen widerfuhr; sie stellten sich auf die Seite der Bedrängten, bekannten sich ^wieder offen als Juden und fühlten sich auch im innersten Herzen als solche. Wenn sich die Mehrheit der deutschen Juden von dem im Central-Verein herrschenden und von diesem in weiteren Kreisen wachgerufenen Geiste dnrchdringen ließe, dann würde sich die Zahl der Feiglinge vermindern, welche sich durch die von Antisemiten ausgehenden Zurücksetzungen und Schmähungen dazu verleiten lassen, ihrer Religion untreu zu werden oder ihre Kinder taufen zu lassen. Wenn auch die Uebertritte noch nicht aufgehört haben, wenn es auch noch immer Juden giebt, die zwar selbst davor zurückschrecken, bei dem Uebertritt einen Glauben zu beschwören, von dem sie nicht überzeugt sind, aber aus falscher Liebe zu ihren Kindern diese taufen lassen und sich damit selbst entfremden — jetzt verbergen sie diese thörichte Handlungsweise, so lange dies möglich ist. Sie schämen sich ihrer Abtrünnigkeit, weil sie häufig wahrnehmen, daß jetzt gar Viele, welche sich früher unbedachter Weise