Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Sprache sie sprechen, dessen Sitten sie sich angeeignet, an deffrn Kulturaufgaben sie mitgearbeitet, desien Freiheit sie mit ihrem Blute vertheidigt haben. Als Deutsche mußten sie tief die ihrem Vaterlande angethane Schmach empfinden, daß man ihnen nicht nur heute noch einen Theil der ihnen kraft Gesetz und Verfassung zustehenden Rechte vorenthält, sondern auch die ihnen eingeräumten und gewährten Rechte von haßverblendeten Leuten beständig angreifen und bekämpfen läßt! Diese Empfindung war stets vorhanden, aber der Gedanke der Selbstvertheidigung wurde lange Jahre hindurch niedergekämpft durch das Vertrauen auf die Verfassungstreue und den gesunden Sinn der Mehrheit des deutschen Volks, besonders aber durch den Vornehmen Widerwillen dagegen, vernunftmäßig unantastbare Rechte gegen niedrige mit unreinen Waffen kämpfende Gegner vertheidigen zu sollen. Alan übersah die Gefahr, daß den böswilligen Wühlern Anhänger aus allen denjenigen Kreisen zuströmten, in welchen sich die aus Gerechtigkeitsgefühl endlich zum Wettbewerb zugelaffenen Juden als begabte und glückliche Konkurrenten bewährten, zumal ihre Erfolge von den berufsmäßigen Hetzern fast unglaublich übertrieben wurden, um die schlimmsten Instinkte, Neid, Haß und Argwohn, zu wecken. Das durch die kriegerischen Erfolge gesteigerte Nationalitätsgesühl und die Enttäuschung über das Ausbleiben der erwarteten glänzenden wirthschaftlichen Verhältnisse begünstigten die Pläne derjenigen, welche sich als Volksretter aufzuspielen gedachten und es thatsächlich dahin gebracht haben, lange Jahre hindurch eine bedeutende Rolle zu spielen, bis die Bewegung ihnen selbst über den Kopf wuchs und sie bei Seite drängte. Heute schon sind Männer wie Henrici und von Blankenburg so gut wie vergessen, und selbst der vielgenannte angebliche „Vater des Antisemitismus", Adolf Stöcker, wird in weiten, einflußreichen nichljüdischen Kreisen beständig als todter Mann bezeichnet. Die Drachensaat, welche Ende der siebziger Jahre ausgestreut wurde, wirkt aber leider fort, und schlimmer noch als der damals wachgerusene religiöse Fanatismus wirkt in der Neuzeit der Umstand, daß jene Jünglinge, welche von der blendenden Beredsamkeit eines Treitschke angezogen, den angeblichen „wiffentschaftlichen Antisemitismus" für echtes Gold nahmen, jetzt Männer von Einfluß und in Amt und Würden sind. Das Alles ließ sich