Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Sehr geehrter Herr Redakteur!
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 588 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Eingesandt. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihre Darstellungen der österreichischen Verhältnisse beruhen, wie ich wiederholentlich feststellen konnte, auf irrthümlichen Voraussetzungen. Dies ist allerdings nicht Ihre Schuld, zu Ihrem Urtheil wird Jeder gelangen, welcher sich im Wesentlichen aus der pseudoliberalen Presie Oesterreichs informiert. Diese Presie täuscht ihre jüdischen Leser nach Möglichkeit über die Thatsachen, welche sie in ihrer Anhängerschaft an die sogenannte liberale Partei wankend machen würden. Ich lese beispielsweise in Ihrer letzten Nummer das folgende Citat aus der Bohemia: „Aber das Eine muß uns zum Trost gereichen; für solche geistige Beschränktheit ist fast nur in Wien noch einiger Nährboden vorhanden, bei den übrigen Deutschen und zumal bei Jenen, die vom Schicksale in dem schweren nationalen Kampfe des gesammten deutsch-österreichischen Volkes, nicht blos der Deutschböhmen, in die vorderen Reihen gestellt worden sind, kommt Zucht, Besonnenheit, Einsicht und echte nationale Begeisterung immer mehr zum Durchbruch." Zugleich mit dieser Nummer Ihrer Zeitschrift erhielt ich die Neue Freie Presse vom 18. d. M. Abends, in welcher ich die folgenden Notizen über eine Verbrüderung der Liberalen und Nationalen Tirols finde: Der Deutsch-Nationale Hruban (Briren) stellte den Antrag, daß sämmtliche Mitglieder des Wahlausschusses Stammesveutsche sein müssen. Darüber entspann sich eine ziemlich lebhafte Debatte. Der Liberale Dr. v. Eccher, Advokat in Innsbruck sprach gegen den Antrag. Es sei selbstverständlich, daß der Landeswahlausschuß nur aus Deutschen bestehen solle, der Antrag Hruban sei überflüssig, aber auch schädlich, denn die gegnerischen Parteien würden diesen Passus ausnützen. Es werde Niemandem einfallen. Jemanden in den Wahlausschuß zu wählen, der kein Deutscher ist, z. B. einen Czechen. (Rufe: Semiten!) Der Bauer Winkler aus Kirchbüchl trat für den Antrag Hruban ein; man müsse das Deutschthum besonders betonen.