Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Die Verjüngung des Liberalismus [Rezension]
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 583 (sequence 2)
- Language
- German
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Vücherschau. 588 Vereins von einsichtigen Christen und Juden hingewiesen worden. Es sei hier nur an unseren evangelischen Mitbürger Professor Theobald Ziegler in Straßburg erinnert, der schon 1891, also vor der 1893 geschehenen Begründung des Centralvereins, in seinem vortrefflichen Buche „Die soziale Frage eine sittliche Frage" S. 112 Folgendes ausführte: „Für die soziale Bewegung hat der Antisemitismus keine andere Bedeutung als die, unter der Landbevölkerung den Boden aufzuwühlen und für den Samen der Sozialdemokratie vorzubereiten; und dieser selbst leistet er einstweilen den unbezahlbaren Dienst, sie von gewiffen schlechten Elementen, welche sich als Bodensatz jeder großen Bewegung anzusammeln pflegen, zu entlasten." So können wir uns nur d i e Aufgabe zuschreiben, die Erkenntniß der Gemeingefährlichkeit des Antisemitismus möglichst zu verbreiten. Kehren wir zu Berendt und zu seinem Verhältniffe zu uns zurück! Einem Theile unserer Leser wird es wohl noch erinnerlich sein, daß Berendt in einer Zuschrift, die wir im Augustheft unserer Zeitschrift veröffentlicht haben, ausdrücklich erklärt, daß er nicht unser Mitglied ist und überhaupt von dem Vereine und seinen Bestrebungen bis jetzt nur „vom Hörensagen weiß". Letzteres ist wahrlich ein trauriges Sympton dafür, wie sich leider noch viele unserer Glaubensgenossen nicht einmal die Zeit nehmen, die Bestrebungen des für ihre Rechte eintretenden Centralvereins durch Lektüre seiner Publikationen und Besuch seiner Sitzungen kennen zu lernen. So bringen sie sich selbst um das beste Mittel, sich vom Nutzen und der Nothwendigkeit unseres Vereins zu überzeugen. Um so mehr ist es Pflicht unserer Mitglieder, dafür zu sorgen, daß alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens „durch Hörensagen" von dem Centralvereine so viel erfahren, daß sie zu weiterer Kenntnißnahme veranlaßt werden. Ist Berendt nicht unser Schüler, wofür ihn das Organ des Herrn Bachler spaßiger Weise erklärt, so kann er dafür gewissermaßen unser Lehrer sein. Nicht ohne Geschick bekämpft er nämlich eine von den antisemitischen Gegnern des Liberalismus künstlich hervorgerufene Wahnvorstellung, welche leider gleich vielen anderen antisemitischen Ausstreuungen auch bei Juden Glauben gefunden hat. Es ist dies die kecke Behauptung, das deutsche Volk sei von Grund aus konservativ, „nur die bösen Juden hätten mit ihrem zersetzenden Spott den liberalen Geist in ihm verbreitet". Berendt sagt darüber: „Man rechnete mit solchen Ausstreuungen glücklich auf die Vergeßlichkeit und Leichtgläubigkeit der Menge. Hatte nicht gerade