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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 567

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
München
Date
1897-11-01
Page
567 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 667 Vorsitz des hiesigen Pfarrers Ostertag abgehaltenen ,)Bayerischrn Konferenz des internationalen Vereins der Freundinnen junger Mädchen" beschlossen, zwar zwischen den christlichen Konfessionen keinen Unterschied zu machen, aber Angehörige der jüdischen Religion sowohl von der Mitgliedschaft wie von der Unterstützung auszuschließen. Am 16. Oktober berichtete dasielbe Blatt: „Die Schriftführerin des Vereins, Bezirksgerichtsraths-Wittwe Philippine Ir - mischer in München, theilt uns mit, daß die Antwort auf die Frage, ob israelitische Frauen Mitglieder werden könnten, gelautet habe: „Als mitwirkende Mitglieder können Israelitinnen nicht ausgenommen werden, da die Arbeit auf christlicher Grundlage ruht, — bei den Mädchen dagegen kennen wir keinen Unterschied." Der § 1 der Statuten lautet: Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt, jedes junge Mädchen, das allein steht oder sich in ungeeigneter Umgebung befindet, in seinen Schutz zu nehmen — ohne Rücksicht auf Nationalität, Konfession und Beschäftigung. Frau Jrmischer fügt noch bei, daß dem Ausschluß von der Mitwirkung keine antisemitische Tendenz zu Grunde liege, sondern daß er durch die Grundlage der Arbeit hervorgerufen sei." Die der Münchener Freien Presse zugegangene gleiche Mittheilung veranlaßte dieses Blatt zu folgender Aeußerung: „Diese Richtigstellung beweist uns, daß der Verein tatsächlich antisemitisch ist. Wir unterlassen es an dieser Stelle darauf einzugehen, daß der Schutz junger Mädchen eine Aufgabe jedes anständigen Menschen ist. Was die zu schützenden Mädchen anbelangt, so soll es uns freuen, wenn der Verein wenigstens hier den antisemitischen Unterschied nicht macht. Der zitierte Paragraph kann uns jedoch nicht jeden Argwohn verscheuchen, denn es ist da nur von Konfession die Rede; und wer mit der antisemitischen Kasuistik vertraut ist, der weiß, daß es dann oft genug heißt: „Judenthum ist keine Konfession, sondern eine ganz andere Religion." Dasielbe Blatt schreibt ferner: „Frau Jrmischer hat jahrelang jüdische Familien für ihre evangelischen Schützlinge und Vereine in Kontribution gesetzt. Da hat die Frau Rath Jrmischer stets das süßeste Lächeln präsentiert. Die Evangelischen in Bayern, die vor zwei Menschenaltern es noch erleben mußten, daß der protestantische Hofprediger der Königin Therese in ganz München keine Wohnung bekommen konnte und schließlich vom Hof eine angewiesen erhalten mußte, hätten allen Anlaß, die Grundsätze religiöser Duldsamkeit aufrecht zu erhalten. Wenn jetzt Frau Jrmischer und Genossinnen bei Werken der Wohlthätigkeit jüdische Frauen und Mädchen ausschließen wollen, so sollten sie auch den

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