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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 547

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
Umschau
Date
1897-11-01
Page
547 (sequence 1)
Language
German
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547 Umschau. /#ine Wahrheit bleibt eine Wahrheit, gleichviel aus welchem Munde herrührt; deshalb werden selbst politische Gegner des bekannten Freiherrn von Stumm gerade jetzt, wo die Antisemiten zu Hetzzwecken das gesammte Judenthum mit der Sozialdemokratie zu identifizieren versuchen, einzelnen Ausführungen Beifall zollen, welche in der von Stumm am 12. April 1896 vor seinen Wählern in Neunkirchen gehaltenen Rede enthalten waren. Er sagte damals, die (antisemitische) christlich-soziale Agitation sei gefährlicher als die sozialdemokratische, weil die letztere fich an gewissermaßen schon angefressene Elemente wende, die christlich-soziale aber an gut kirchliche und königstreue Kreise. Freiherr v. Stumm bemerkte im weiteren Verlauf seiner Rede: „Ich behaupte ganz direkt, die fich christlich-sozial Nennenden sind weder christlich noch sozial, sie sind unchristlich und sozialistisch. Man sagt, die Herren Weber und Stöcker find Säulen der Monarchie. Meine Herren, eine solche Auffassung beruht auf einer Unwissenheit der Vorgänge und auf einem völligen Jrrthum." Die weiteren noch schärferen Aeußerungen über den persönlichen Charakter des ehemaligen Hofpredigers Stöcker veranlaßten diesen gegen den Freiherrn v. Stumm eine Beleidigungsklage anzustrengen, die erst am 5. November d. I. zu einem Abschluß gelangt ist. Das Schöffengericht sprach den Beklagten frei, indem es ihm die Wahrnehmung berechtigter Jntereffen zuerkannte; die Kosten des Verfahrens hat der Kläger zu tragen. Daß die Antisemiten „keine Säulen der Monarchie" sind und nicht sein können, diese Wahrheit dämmert jetzt selbst in den Köpfen solcher Politiker, die ehemals dem Tivoli- Programm hold waren, durch welches die preußischen Konservativen um ihre günstigsten Chancen gekommen sind. Am 15. Oktober schrieb die wenig judenfreundliche „Schlesische Zeitung": „Ehemals predigte der Antisemitismus den Kreuzzug gegen die wachsende Macht des Judenthums und gegen den jüdischen Kapitalismus, heute richtet er seine Angriffe gegen die Kapitalisten schlechtweg. Nicht nur die schlimmen Auswüchse unserer Gesellschaftsordnung sollen beseitigt werden, sondern eine neue Ordnung wird von ihm angestrebt, in der alle Arbeiter zu einer gewaltigen Schlachtlinie gegen ihre bisherigen Brodgeber 36*

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