Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 542 (sequence 9)
- Language
- German
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642 Im deutschen Reich. Hervvrgegangen aus dem Zollverein, der während eines vierzigjährigen Bestehens ausschließlich der materiellen Bestimmung gedient und ohne irgend welchen Antheil an dem politischen Geist der Gegenwart willen- und machtlos die Anordnungen der Regierungen zu befolgen hatte, war das Zollparlament ein Produkt der fortgefchrittenenZeit, einProdukt der Veränderungen, welche das wirthschaftliche und politischeLebenDeutschlands erfahren hatte. Süd- und Nvrddeutschland hatten auf Grund des norddeutschen Wahlgesetzes ihre Vertreter zur Berathung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen Deutschlands gewählt, und das ganze deutsche Volk hatte nun zum ersten Mal eine gemeinsame parlamentarische Vertretung. Das war ein Sieg der nationalen Ideen, und Laster, dem der Abgeordnete Rickert später in einem warm empfundenen Nachruf nachrühmte, „daß er Jahre lang voraus, in den Jahren 1868, 1869 und 1870, das ganze Programm der gesetzgeberischen Thätigkeit zuerst in Preußen und nachher in Deutschland vor sich hatte und von diesem Programm aus, welches er in seinem Kopf gestaltet hatte und welches er verwirklicht sehen wollte. Regierung und Volksvertretung jederzeit gedrängt habe", — für Lasker war das Zollparlament der Gegenstand höchster Begeisterung, in welcher er im Voraus das ganze Deutschland zu einem Reiche geeint und zu einem mächtigen Staatswesen zusammengefaßt vor seinem Blicke aufgerichtet sah; eine Erscheinung, welche seinem Patriotismus den reinsten Inhalt gab und ihn selbst auf die Höhe seiner patriotischen Ahnungen und Bestrebungen erhob. In diesem Sinne und in dieser Richtung vollzog sich Lasker's Wirken im Zollparlament. Hier war seine Thätigkeit ebenso hingebend, wie in den ordentlichen Parlamenten; hier waren seine Reden ebenso eindrucksvoll wie dort, hier die Blicke der Versammlung auf ihn gerichtet wie dort; und wie ein prophetischer Mahnruf, sich für eine nahe bevorstehende große Zukunft zu rüsten, klangen seine Worte in diesem Parlamente: „Ich denke nicht von diesem Parlament so klein, wie Herr X., der mit dem Gedanken an Baumw olle, Taback und Lumpen einzog. Suchen Sie die Bedeutung dieser Versammlung nicht selbst herabzudrücken; schätzen Sie dieselbe vielmehr, damit, wenn die Tage kommen werden, wo eine Vertretung Deutschlands nicht nur über die materiellen, sondern über alle staatlichen Interessen unseres Vaterlandes entscheiden soll, dem Inhalte die Form nicht fehle." Tobias Cohn.