Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Der Nationaljude als Staatsbürger
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 533 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Nationaljude als Staatsbürger. 693 unendlichen Schaden angerichtet hat; begeisterte Patrioten, die sie waren, würden sie voll Entrüstung gegen die Beleidigung protestiert haben, die darin liegt, daß man von einer besonderen jüdischen Nationalität spricht. Was die deutschen Juden mit den französischen, englischen und russischen verbindet, ist lediglich die Glaubensgemeinschaft und die gemeinsame Abstammung, beides gewiß bedeutsame Momente, denen indessen eine Bedeutung für die Nationalität nicht zukommt. Die deutschen Juden sind vor Allem und in erster Linie Deutsche und nicht Juden, ganz ebenso, wie die deutschen Katholiken und Protestanten zuerst Deutsche und sodann erst Angehörige der katholischen und protestantischen Glaubensgemeinschaft sind; wer das bestreiten will, beweist, daß ihm das Wesen des modernen Staates noch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die deutschen Juden haben sich ihre deutsche Nationalität nicht durch antisemitische Angriffe abstreiten lassen, sie werden auch keine Antastung derselben durch die zionistischen Bestrebungen dulden, auch dann nicht, wenn diese sich unter glänzendem Aushängeschild entfalten können, und weit entfernt, daß, wie in dem Flugblatt behauptet wird, die Verleugnung der jüdischen Nationalität zu einer Entnationalisierung führt, so ist gerade die Zurückweisung einer jüdischen Nationalität so recht geeignet, in den französischen, deutschen und englischen Staatsbürgern jüdischen Glaubens die Ueberzeugung zu befestigen, daß sie nur Franzosen, Deutsche und Engländer sind; die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft kommt dabei nicht in Betracht. Hieran festzuhalten ist oberste Pflicht der deutschen Juden, und wenn die Zionisten an unsere Nationalität rühren, dann muß es auch ihnen gegenüber heißen, mögen sie uns persönlich noch so lieb und werth sein. Hands off! Mainz. Ludwig Fuld.