Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 514 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316634-2321173--03081-2321309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Guben 1× ep/1044673
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
514 Im deutschen Reich. Letzterer hat Berufung eingelegt; dieselbe wendet sich hauptsächlich dagegen, daß dem Beklagten der Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches zugebilligt wurde. Dem Königlichen Hofbuchbinder Georg Collin (Firma W. Collin) hat der Kaiser von Rußland den Titel als „Hoflieferant des Kaisers von Rußland" und das Recht verliehen, das Kaiserlich russische Staatswappen zu führen. X Sommerfeld, 12. September. Im hiesigen Kurfürstensaale sprach gestern Abend Ahlwardt über den „verhängnißvollen Einfluß des Judenthums auf das deutsche Volk". Vorher hatte der Agitator in Guben und Forst gesprochen; in Sorau hat er jedoch keinen Saal erlangen können, um dort aufzutreten. In Folge des niedrigen Eintrittsgeldes von 20 Pfg. waren gegen 200 Personen erschienen, aber der von seinem Begleiter Bodeck vorgebrachten Werbung für den hiesigen antisemitischen Verein scheint Niemand Folge gegeben zu haben. K Wittenberg, 2. Oktober. Zur Feier des diesjährigen Neujahrsfestes hat diesmal hier der erste jüdische Gottesdienst seit 457 Jahren stattgesunden. Es wurden nämlich die Juden aus Wittenberg im Jahre 1440 auf Veranlassung der Kurfürstin Margaretha von deren Gemahl Friedrich dem Sanftmüthigen vertrieben, und dies geschah mit dem Zusatz „auf ewige Zeiten". Diese ewige Zeiten haben vorgehalten, bis sie von dem Freizügigkeitsgesetz durchbrochen wurden. Da die Zahl der erwachsenen Juden in Wittenberg für die Bildung einer Religionsgemeinde noch zu klein, aber stark genug zu gemeinschaftlichen Religionsübungen ist, so haben sie sich an diesem Neujahrstage zu solchen Andachten vereinigt. Magdeburg, 2. Oktober. Die städtischen Behörden haben der hiesigen Synagogen-Gemeinde zur inneren Ausschmückung der umgebauten Synagoge eine Beihülfe von 3000 Mark bewilligt. X Breslau, 1. Oktober. Die hiesige Burschenschaft der Raczeks hat folgende seltsame Erklärung abgegeben: „In Anbetracht der großen Anzahl unserer a. H., welche sich in der Judenfrage für Aufnahme von Juden ausgesprochen haben, erklärt die a. B. B. der Raczeks, daß sie jetzt prinzipiell keine Juden mehr aufnimmt." — Die ähnliche Haltung der Burschenschaft „Germania" hat, wie dieselbe dem A. D. (S. in einem Schreiben mittheilte, 37 theils christliche, theils jüdische alte Herren veranlaßt, aus ihrem Philisterium auszuscheiden. — Im „Weißen Storch", Wallstr., fand hier am 26. August eine von dem Kaufmann Brieger einberufene Versammlung statt, welche zum Zionistenkongreß Stellung nehmen sollte.