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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 510

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Berlin
Date
1897-10-01
Page
510 (sequence 3)
Language
German
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510 Im deutschen Reich. gelehnt wurde, hielt eS der Verein mit seiner Würde nicht vereinbar, gegen den ablehnenden Bescheid Beschwerde zu erheben. Er begrüßt es aber jetzt mit Freude, daß in einem in diesen Tagen eingegangenen Schreiben des Deutschen Kriegerbundes die Ablehnung des Aufnahmegesuches als eine irrthümliche, nur durch Formfehler veranlaßte, bezeichnet und um Erneuerung des zweifellos Annahme findenden Gesuchs gebeten wird. Während der Jahre 1889 bis 1895 sind in den altpreußischen Provinzen insgesammt 1960 Juden zur Landeskirche übergetreten, davon in Brandenburg 987, Schlesien 289, Ostpreußen 202, Sachsen 116, Rheinland 111, Pommern 65, Westpreußen 61, Westfalen 31, Posen 22. In ganz Deutschland traten während der Jahre 1890 bis 1894 2088 Juden zur evangelischen Kirche über und zwar in Preußen 1568, Hamburg 147, imKönigreich Sachsen 118, Bayern 72, Württemberg 30, Bremen 29 rc. Die höchste Taufzahl — 500 — wies das Jahr 1893 auf; seitdem hat die Zahl der Taufen abgenommen. Im Alter von 78 Jahren verstarb hier am 21. September der Historiker Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Wilhelm Wattenbach, der im November 1880 die bekannte Erklärung gegen den Antisemitismus unterzeichnet und später wiederholt den Berathungen der 1885 von dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebunde begründeten historischen Kommission beigewohnt hat. Die Privatklagesache Carl Sedlatzek's wider den Oberhofmeister Ihrer Majestät der Kaiserin, Freiherrn von Mirbach, kam am 23. September vor dem hiesigen Schöffengericht zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Amtsrichter von Krosigk; der Kläger erschien in Begleitung des Rechtsanwalts Ulrich; der nicht erschienene Freiherr von Mirbach wurde durch den Rechtsanwalt Dr. Sello vertreten. Die Klage ist bekanntlich aus einem früheren Prozeß entstanden, in welchem der Verfasser eines Artikels im General-Anzeiger, betitelt „der Judengeld-Sammler", Schweinhagen zu 1 Jahr, der Herausgeber des Blattes Sedlatzek zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Im Verlaufe der Verhandlung äußerte sich damals der als Zeuge geladene Freiherr von Mirbach über den der Verhandlung zu Grunde liegenden Sachverhalt in äußerst scharfen Ausdrücken, wegen deren Sedlatzek die Privatklage erhob. Die damals stenographisch aufgenommene Rede des Freiherrn von Mirbach, welche wörtlich mit dem Konzept übereinstimmte, das derselbe vor der Verhandlung niedergeschrieben hatte, wurde am 23. September unter

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