Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 507 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316634-2321171--03073-2321302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 607 Die Dankbarkeit ist ein Grundzug, der sich bei allen Juden findet, schon deshalb sind sie, wo sie eine wirkliche Heimath besitzen, wahrhaft vaterlandsliebend; nur wenn man ihre Ehre und ihre Rechte antastet, können einzelne derselben in den Jrrthum verfallen, im Exil zu sein. Nachdem in der portugiesischen Deputatenkammer am 81. August d. I. bei Berathung des Tabaksmonopols Luciano Alfonso da Silva Monteiro (seinem Namen nach wahrscheinlich auch einer jener Männer, die ihre jüdische Abstammung durch antisemitische Ausfälle vergessen zu machen suchen), die Juden als vaterlandslos zu bezeichnen gewagt hatte, legte dagegen der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Lissabon in einem offenen Schreiben an dieses Parlamentsmitglied in entschiedener und würdiger Weise Protest ein. Der Vorstand berief sich dabei u. A. auch auf den berühmten portugiesischen Geschichtsschreiber Ribeiro dos Santos, welcher in seiner Literaturgeschichte die große Zahl jüdischer Gelehrten und Schriftsteller, die in der Literatur seines Vaterlandes sich hervorgethan, mit hoher Anerkennung 'genannt hat. Dieser Protest ist in den Liffaboner Blättern veröffentlicht worden und hat vielen Beifall gefunden. Auf der iberischen Halbinsel weiß man es jetzt genau, daß auf derselben mit der Vertreibung der Juden sofort der innere Frieden wich und der wirthschastliche Niedergang des einst so blühenden Landes begann, von dem es sich heute noch nicht erholt hat. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! A. L