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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 498

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Umschau
Date
1897-10-01
Page
498 (sequence 1)
Language
German
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498 Umschau. politisch Lied, ein garstig Lied," — wohl uns, daß wir es nicht zu singen brauchen! Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat mit politischen Dingen so wenig zu schaffen, wie mit Kultus-Angelegenheiten. Unter seinen zahlreichen Mitgliedern sind die verschiedensten religiösen Richtungen und mannigfache politische Parteifarben vertreten; diese Tausende umschlingt nur e i n Band, das feste Band der Pflicht einer mannhaften Vertheidigung unserer staatsbürgerlichen Rechte. Dabei ist uns die sogenannte „Judenfrage" weder eine religiöse, noch eine politische, noch eine wirthschaftliche Angelegenheit, sondern eine reine „Kulturfrage", denn in uns Allen lebt die Ueberzeugung, daß das deutsche Volk, als dessen Theil wir uns fühlen, in demselben Augenblick aufhören würde an der Spitze der Kulturvölker zu stehen, in welchem es eine halbe Million deutscher Staatsangehöriger ihrer Abstammung oder ihrer Religion wegen der ihnen feierlich zugesagten staatsbürgerlichen Rechte berauben würde. Als Verräther an Deutschland, als Frevler gegen die Ehre des deutschen Volkes gelten uns diejenigen, welche zu solchem schnöden Treubruch rathen, als in einem verhängnißvollen Jrrthum befangen diejenigen, welche Staat und Religion verquickend, sich durch den von dem getauften Juden Stahl ersonnenen, aber von dem evangelischen Staats- und Kirchenrechtslehrer Sohm als unhaltbar bezeichneten Begriff des „christlichen Staates" verleiten lassen, die Gleichberechtigung der Juden in Frage zu stellen. Nie und nimmer kann es dein deutschen Reiche Segen bringen, wenn man den Staat offen oder auf Umwegen zu Maßnahmen leitet, welche dem rein Humanitären neuzeitlichen Staatsgedanken schroff widersprechen, wenn der lichte Geist der Aufklärung, der Duldsamkeit und bürgerlichen Freiheit zurückgedrängt wird, um wieder den düstern Anschauungen Geltung zu verschaffen, die in dem mit Unrecht gepriesenen Mittelalter zahllose Frevelthaten erzeugten, bis endlich des Menschenthums gezeitigte Verwandlung die Dunkelmänner verdrängte. Ihre Macht war aber dadurch noch nicht völlig gebrochen; sie ist neu gestärkt und aufgefrischt worden durch eine verschlagene Staatskunst, die durch Aufstachelung der Interessen der verschiedenen Stände und Klassen die Marime „Trenne und herrsche!" erfolgreich anwandte, erst das Streberthum anfachte, aber dann die Streber verächtlich machte. Unter

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