Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Der Baseler Zionisten-Kongress
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 483 (sequence 8)
- Language
- German
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Der Baseler Zionisten-Kongreß. ^83 „Es bleibt jedenfalls eine Eigenthümlichkeit, ob auch ein Vorzug dürste dahinzustellen sein, unserer Zeit, daß in ihr unklare Bestrebungen aller Art eine Anzahl begeisterter Anhänger und Gesinnungsgenoffen finden, welche mit allem Eifer bestrebt sind, die ungläubige Welt davon zu überzeugen, daß nunmehr die wahre Heilslehre gefunden sei. Zu diesen Bestrebungm rechnen wir auch die zionistischen, deren Vertreter soeben in Basel einen Kongreß abgehalten haben, nachdem die jüdischen Gemeinden in Deutschland es abgelehnt hatten, den seltsamen Schwärmern, die von der Wiederherstellung einer Art jüdischen Staates unter der Oberherrlichkeit des Sultans träumen, Gastfreundschaft zu gewähren. Wie den meisten utopischen Richtungen ein bis zu einem gewissen Grade gesunder Gedanke zu Grunde liegt, so auch dieser. Wenn die Zionisten in Palästina die Errichtung jüdischer Ackerbaukolonien befördern und die Zuwendung der Juden zum Handwerk und zur Landwirthschaft begünstigen wollen, so wird man sich hiermit nur einverstanden erklären, und gerade die einsichtsvollsten unserer jüdischen Mitbürger werden diesem Streben ihre Unterstützung nicht versagen, da die mit der einseitigen Betreibung des Handelsberufs, die bekanntlich ein Ergebniß der geschichtlichen Entwicklung ist, verbundenen Nachtheile von ihnen schon längst gewürdigt worden sind. Wenn aber die Zionisten die Errichtung völkerrechtlich gesicherter Heimstätten für ihre Glaubensgenoffen in Palästina anstreben, so fragt man sich, welche Bedeutung mit diesen unklaren und schiefen Ausdrücken verbunden sein soll. Offenbar kann es sich dabei nur um die Neutralisierung der zu errichtenden Niederlaffungen handeln, welche die Mächte unter ihren besonderen Schutz nehmen sollen, im Uebrigen aber bleibt es vollkommen fraglich, wie man sich das staatliche Verhältniß zu der Pforte denkt, die doch gewiß nicht gewillt ist, Palästina irgend Jemandem abzugeben. Will man einen jüdischen Vasallenstaat unter der Oberlehnsherrschaft des Sultans begründen oder was sonst? Wir müssen gestehen, daß wir in dem hierauf gerichteten Streben eine der größten Utopien unserer Zeit erblicken, und an dieser Beurtheilung kann uns der Umstand nicht hindern, daß Männer von Bedeutung, glänzende Schriftsteller von Weltruf dafür eingetreten sind. Eine Lösung der Judenfrage auf dieser Grundlage ist unmöglich, 32*