Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Ein Gegenstück zu "Ise und Else"
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 475 (sequence 2)
- Language
- German
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Lin Gegenstück zu „Ilse und Else" 475 trachte unser» Freundschaft als eine Schulmädchenfreundschaft, di« auf« hört, wenn man die Schule verläßt. Ich danke Dir für all' Dein« Liebe, ich Hab» versucht, sie Dir, so gut ich es bei meinem Charakter konnte, zu vergelten. Da ich sie jetzt nicht mehr so erwidern könnt», wie sie eS verdient, so kann ich sie auch nicht mehr annehmen. Du wirst mir wahrscheinlich den Vorwurf der Untreue machen, aber sei überzeugt, daß ich nie wieder in meinem Leben Freundschaft schließe. Du wirst meine Freundschaft leicht verschmerzen können, da Du ja schon mehrere Freundinnen gehabt hast und noch hast. Leb' wohl und vergiß mich! K. F. Das ist der Erguß eines bereits von dem antisemi» tischen Gifte verdorbenen Herzens, eines Herzens, dem auch die Religion Nebensache ist. Die Freundschaft eines solchen Mädchens, das offen bekennt, daß es niemals fromm gewesen sei, das so wenig liebevoll gesinnt ist, daß es die Vergeltung von Liebe sich nur in beschränktem Maße zutraut („so gut ich es bei meinem Charakter konnte") wird die jüdische Empfängerin des Brieses gewiß leicht verschmerzen. Klarsehende christliche Eltern, welche den Inhalt dieses Schreibens eingehend geprüft haben, das vielleicht von einem „mehr als den Ruhm aber weniger als die Ehre" schätzenden Phrasenhelden diktirt worden ist, dürften es kaum gern sehen, wenn ihre Töchter, an Hedwigs Stelle tretend, sich mit der jugendlichen, religionslosen Nasse-Antisemitin befreunden würden.