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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 474

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Ein Gegenstück zu "Ise und Else"
Date
1897-10-01
Page
474 (sequence 1)
Language
German
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474 Ein Gegenstück zu „Ilse und Else". MUnter der Aufschrift „Ilse und Elf e" haben wir im September vorigen Jahres (Heft 9 2. Jahrg. S. 431) den Wortlaut eines ergreifenden Absagebriefes mitgetheilt, den die Tochter eines höheren Beamten an eine jüdische Schulfreundin richtete. Unsere damalige Mittheilung begleiteten wir nur mit den Worten: „Es würde den Eirldruck dieses rührenden Erguffes eines von dem antisemitischen Gifte noch nicht verdorbenen Kindesherzens nur beeinträchtigen, wollte man der Mittheilung irgend eine Aeußerung hinzufügen." Ein Gegenstück zu diesem Schreiben bildet der jetzt mehreren Zeitungen zur Veröffentlichung zugegangene Brief eines siebzehnjährigen Mädchens an ihre langjährige jüdische Schulfreundin, der folgenden Wortlaut hat: Berlin, 10. Herbstmond 1897. Liebe Hedwig! Herzlichen Dank für Deinen Glückwunsch zu meinem Geburtstag! Du fragst, ob ich unsere Freundschaft auslösen wolle; ja, ich will es. Es ist besser für uns Beide. Wie Du ja wohl gemerkt haben wirst, bin ich Antisemitin. Ich war es schon, ehe ich Dich kennen lernte, aber damals glaubte ich, die Religion sei das Trennende, und da ich niemals fromm gewesen bin, so war es mir ganz gleichgültig, welcher Du angehörtest, daher hinderte nichts unsere Freundschaft. Heute weiß ich, daß die Religion ganz Nebensache ist, die Nationalität ist das Trennende. Und wer nur eine Spur Patriotismus empfindet, der muß Antisemit fein. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, Dich über meine Gesinnung aufzuklären, damit Du nicht sagen kannst, ich habe Dich getäuscht oder Dir etwas vorgeheuchelt. Verzeih' mir, wenn ich Dir mit meinem Geständniß wehe thun sollte, aber ich kann nicht anders „mehr als den Ruhm, aber weniger als die Ehre". (?) Ein Verkehr ist zwischen uns nicht mehr möglich, da ich Dich nicht verletzen will, was wohl kaum zu vermeiden wäre, weil ich auch nicht mehr die Rücksicht auf Dich nehmen kann, die ich bisher genommen habe. Be-

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