Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 454 (sequence 3)
- Language
- German
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454 3m deutschen Reich. aber diejenigen rückgängig zu machen, denen bis jetzt noch nicht Folge gegeben ist und uns von dem Erlasse hochgeneigtest Kenntniß zu geben." Wie uns'der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Erfurt am 27. August mitgetheilt hat, ist dieselbe dieser Tage von dem dortigen Magistrat benachrichtigt worden, daß alle Recherchen nach demjenigen, der dort im Dezember v. I. antisemitische Weihnachtsflugb l ä t L e r an Schulkinder vertheilt hat, erfolglos geblieben sind, daß aber die Schul-Dirigenten Anweisung erhalten haben, auf derartige Vorkommnisse streng zu achten und etwaige Fälle sofort zur Anzeige zu bringen. In Nr. 40 der Zeitschrift „Daheim" wurde ein Artikel „Ein Blick auf die moderne Verbrechersprache" veröffentlicht, welcher die Behauptung enthielt, daß unter den etwa 30 Verbrecherlokalen Berlins sich ein solches befinde, welches ein st r e n g jüdisches Restaurant sei. Da wir von der Unwahrheit dieser Behauptung überzeugt waren, haben wir die Redaktion des „Daheim" ersucht, den Verfaffer des Artikels zu veranlassen, uns die Adresse der angeblichen „jüdischen Verbrecherkneipe" gefälligst mitzutheilen. Herr Redakteur Pantenius lehnte dies mit der Bemerkung ab, daß „wir uns dieserhalb an die Kriminalpolizei wenden müßten". Auf eine sodann an das Kgl. Polizei-Präsidium gerichtete Eingabe erhielten wir folgenden Bescheid: „Auf den Antrag vom 21. August d. Js. benachrichtige ich den Verein ergebenst, daß ich keine Veranlaffung finde, Nachforschungen darüber anstellen zu lassen, ob unter den zahlreichen Schanklokalen, in denen vorzugsweise bestrafte Personen verkehren, sich ein solches befindet, dessen Inhaber jüdischen Glaubens ist. von Windheim." -- Den Behörden ist also keinesfalls eine jüdische Verbrecherkneipe in Berlin bekannt, die sicher nur in der durch antisemitische Ideen entzündeten Phantasie des Gewährsmannes des „Daheim" existirt! Wir haben zu dem jetzigen Leiter der Reichspostverwaltung das Vertrauen, daß er die agitatorische Rolle, welche einzelne Postbeamte in der antisemitischen Bewegung gespielt haben, nicht billigen und dort, wo die politische Gesinnung einzelner Beamten sich bei dem vostalischen Verkehr in einer für die Juden verletzenden Weise kundgeben sollte, die ihm nachgerühmte Gerechtigkeit und Schneidigkeit bewähren wird. An Gelegenheit dazu dürfte es nicht fehlen. Trotzdem die Kaiserliche Oberpostdirektion zu Frankfurt a. M. durch das dortige Postamt I demjenigen Beamten eine Rüge ertheilen ließ, welcher eine nach „Neu-Jerusalem" adressirte Postkarte nicht von der