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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 406

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Die Berufszählung
Date
1897-09-01
Page
406 (sequence 6)
Language
German
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406 Im deutschen Reich. männlichen ErwerbSthätigen nicht mehr so viel erwerben, um wie früher für die Angehörigen sorgen zu können, und diese selbst zum bedeutenden Theil auf eigenen Erwerb angewiesen sind. Auch hierin unterscheiden sich die Juden nicht mehr von den christlichem Deutschen." Die antisemitischen Zeitungen haben kein Recht, sich über eine ungleichmäßige Betheiligung der Juden an den verschiedenen Berufsklassen zu beschweren. Sie wollen gar keine gleichmäßige Vertheilung der Juden auf alle Berufsklassen; sie wollen eine rein einseitige Scheidung der Berufsklaffen und Konfessionen und zwar leitettbe- Stellung den „Ariern", dienende den „Semiten". Daß die „Deutsche Tageszeitung", die „Staatsbürger-Ztg." und andere ähnliche Organe „aus Versehen" die Behauptung aufflellten, daß im Königreiche Preußen auf etwa 8—9 Einwohner ein Jude komme, und später berichtigten, daß nur auf 80^—90 Einwohner ein Jude, wohl aber auf 8—9 Kaufleute ein jüdischer Kaufmann komme, war bemerkenswerth. Ueber den gleichen Jrrthum der „Südd. Landpost" äußerte sich der „Fränkische Courier" wie folgt: „Die falschen Zahlen werden auf den stets zu rechter Zeit, sich einstellenden „Druckfehler" geschoben. Pikant ist dabei nur der Zusatz, daß die Leser den Druckfehler „natürlich schon selbst gefunden haben". Wenn die Leser agrarisch-antisemitischer Blätter alle „Druckfehler natürlich schon selbst finden könnten, so hätte der Bund der Landwirthe und der Antisemitismus überhaupt schon aufgehört zu drucken. Die „Landp." gesteht ganz ungeniert zu, daß sie den Druckfehler garnicht berichtigt haben würde, wenn wir ihre Wahrheitsliebe nicht bezweifelt hätten. Warum sollte sie es auch thun? Ihre Hintermänner sind ja viel beffer dran, wenn die Bauern glauben, daß 11—12 pCt. der Bevölkerung jüdischer Religion sind, als wenn man ihnen einreden muß, daß nur die Entfemung von 1 pCt. der Bevölkerung „in das gelobte Land" die Sonne des Glückes über Deutschland heraufsühren kann." Die „Staatsbürger Ztg." verwies übrigens anläßlich der Berichtigung des Jrrthums nicht etwa darauf, daß der Antheil der Juden am stehenden Handel, der früher fast ihren ausschließlichen Erwerbszweig bildete, mit 11 pCt. geringer sei, als sonst beständig behauptet werde, und ihre Zahl im Hausirer-

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